Die Digitalisierung schreitet voran, das merkt man nicht nur daran im Supermarkt darauf hingewiesen zu werden am besten bargeldlos zu bezahlen 😉 sondern bspw. im Bereich die Mietkaution auch daran, dass neue Anbieter von Mietsicherheiten wie bspw. INZMO damit werben 100% digital zu sein. Wie das genau funktioniert kann man hier im Detail nachlesen.

Erste Banken bieten nun Girokonten an, ohne eine EC-Karte oder Girocard auszustellen, das Konto ist also nur als Onlinekonto oder aber über die entsprechende App sowie mit Google Pay oder Apple Pay nutzbar. Die Ankündigung der DKB Ihr Girokonto zu erneuern und nun die VISA Debit Card als Top of Wallet Produkt zu nutzen ist für digital affine Kunden somit bereits das neue Normal.

Technologien wie Kryptowährungen stellen bisherige Währungen und Zahlungsmethoden in Frage, Wert ist nur noch virtuell verfügbar und komplett digitalisiert.

Wie funktioniert die digitale Revolution bei der Mietkaution und worauf müssen sich Mieter und Vermieter zukünftig einstellen?

Eine chronologische Einordnung:

  • Vor 2001, also vor der Mietrechtsreform gab es keine konkrete gesetzliche Beschreibung der Kautionshinterlegung, so wie dies seitdem in §551 BGB geregelt ist. Viele Vermieter haben eine Barkaution verlangt und diese im besten Fall treuhändisch verwaltet
  • Nach der Mietrechtsreform 2001 kamen neue Produkte wie die Mietkautionsversicherung oder aber das Kautionsdepot auf den Markt, die es ermöglichten eine Mietkaution auch in anderer Form zu erbringen
  • Im Laufe der Jahre wurden physikalische Sparbücher durch digitale Mietkautionskonten abgelöst – das Sparbuch war nun nicht mehr im Tresor des Vermieters, sondern eine Verpfändungserklärung wurde ausgestellt, oder aber ein digitales Treuhandkonto durch den Vermieter eingerichtet
  • Die Plattformökonomie beginnt, schriftliche Dokumente über eine Bürgschaft oder Verpfändung werden nicht mehr auf Papier ausgedruckt und beglaubigt sondern der Nachweis innerhalb der Plattform oder per E-Mail wird ausreichen

Der letzte Schritt hin zur Plattformökonomie, bei welcher weder Mieter noch Vermieter eine Urkunde oder Verpfändungserklärung in der Hand halten ist rechtlich spannend. Zum einen wird hierbei ein Vertrauen gegenüber der Plattform und dem Unternehmen (Bank bzw. Versicherung) benötigt, gleichzeitig bietet dies auch Angriffsvektoren, welche zuvor nicht denkbar waren.

Das Geschäft der Versicherungen und Banken ist schon seit je her darin begründet eine Sicherheit zu bieten oder Risiken abzusichern. Bei der Mietkaution geht es um nichts anderes als das – ein mögliches Schadensrisiko soll abgesichert werden – die Form ist variabel, die Methoden austauschbar.

Altmodische Vermieter – wann muss man sich bei der Kautionsverwaltung umstellen?

Die Corona Pandemie hat neben der Verwundbarkeit der weltweiten Logistik auch eines schmerzhaft deutlich gemacht: Banken, die bereits digitale Prozesse etabliert haben, war die Gewinner gegenüber Banken, die ein Filialnetz betreiben und diese kurzfristig schließen mussten. Manche Banken gingen dazu über diese nicht wieder zu öffnen – einen Trend, der zeigt welche Position das Attribut „Online abschließbar“ eingenommen hat.

Dass die Commerzbank die Gebühren für die Einrichtung einer Mietkaution so drastisch erhöht hat, und dies immer noch nicht online anbietet sondern ein Gang in die Filiale notwendig ist spricht nicht gerade für eine digitale Transformation – oder aber diese findet in anderen Bereichen der Bank statt.

Die Umstellung von analog zu digital ist keine Einfache – statt Schalter wird nun die Applikation oder die Website die neue Schnittstelle zum Kunden. Das betrifft natürlich auch Mieter und Vermieter, die Ihre Kautionsverwaltung bisher so gehandhabt haben, wie sie das bereits Jahre zuvor erledigt haben.

Glücklicherwiese gibt es noch die „Steinzeit“-Banken, die weiterhin Sparbücher für die Mietkaution aushändigen – wie lange und zu welchem Preis dies geschieht ist noch nicht klar, dass eine Umstellung kommen wird, steht jedoch außer Frage.

Digitalisierte Kaution bedeutet nicht automatisch Schutz vor Betrug

Das Bonmot „Wo ein Trog ist, sammeln sich die Schweine“ kann sicherlich auch für die Mietkaution gelten, es geht schließlich um viel Geld, insgesamt sind in Deutschland geschätzt 50 Milliarden in der Mietsicherheit definiert.

Die Stiftung Warentest hatte in einem Artikel 2020 beschrieben, wie bei einer Barkaution Betrüger Kautionsbetrug begehen. Natürlich sind hierbei digitale Möglichkeiten wie das als Mieter eigens angelegte Online-Kautionskonto oder die Kautionsversicherung ein Weg dies zu unterbinden und zukünftig die Barkaution zu vermeiden, gleichzeitig sollte man jedoch auch bedenken, dass es Kautionsbetrug auch schon bei digitalen Geschäftsprozessen gab, bspw. hatte Mietwise vor 1-2 Jahren mit Phishing zu kämpfen.

Letztendlich gibt es keine 100%ige Sicherheit vor einem Betrug im Zusammenhang mit der Kaution – der gesunde Menschenverstand und die Einhaltung der Reihenfolge bei der Einrichtung der Kaution kann dabei jedoch helfen.

Quo vadis – welche Art der Mietsicherheit wird es in Zukunft geben?

Die Art von Sicherheiten hat sich über die Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert. Während es traditionell das Geschäft der Banken und Versicherungen ist und war Risiken zu minimieren und Sicherheiten bereitzustellen, so könnten digitale Prozesse den Geschäftsbereich verändern – wer schlussendlich diese Sicherheit in welcher Form gibt, bleibt abzuwarten.

Auch wenn es schon Versuche gab die Blockchain oder Smart Contracts für die Kautionsbestätigung zu nutzen, so ist dies mittlerweile für viele Menschen in der IT lediglich ein weiteres Feld auf Ihrer Bullshit-Bingo Matrix und es sollte keinen Unterschied machen wie die Kautionsverwaltung technisch realisiert wird. Wenn jedoch mehr Akzeptanz für Kryptowährungen in der breiten Bevölkerung vorhanden ist, könnte dies tatsächlich eine alternative Form für die Kautionsverwaltung darstellen.

Kautionsdepot in Growney App

Das Mietkautionsdepot in der App von Growney -Quelle: growney

Die Sicherheit für sich selbst wird sich jedoch langfristig verändern. Gemeint ist damit in welcher Währung oder Art die Kaution zukünftig sowohl für Mieter und Vermieter noch einen Schutz oder Kaution tatsächlich darstellt.

Wenn bspw. die Fiatwährung aufgrund von Negativzinsen einer Zentralbank von Jahr zu Jahr an Wert verliert, so wird dies für eine langfristige Mietkaution zukünftig nicht mehr sinnvoll sein. Die Kaution würde dadurch und durch die Inflation vom Beginn des Einzuges bis zum Auszug schlicht weniger werden. Ein Gedanke, den weder Mieter noch Vermieter befürworten werden.

Die Nutzung eines Kautionsdepots wird langfristig bei der aktuell anhaltenden Geldpolitik weiter an Popularität gewinnen, sofern Mieter und Vermieter in die Stabilität der Märkte ein Vertrauen haben. Ob andere Sicherheiten zukünftig ebenfalls denkbar und nutzbar werden, hängt von deren Liquidität und der Akzeptanz der Mietparteien ab. Kryptowährungen könnten hierbei eine Rolle spielen, bisher ist eine Mietsicherheit in Kryptowährungen nur über Umwege möglich, bspw. in Form von Fonds und einem Kautionsdepot.


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Autor: Mietkaution Redaktion

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