Die Mietkaution ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Raum) relativ ähnlich geregelt, auch wenn es unterschiedliche Jurisdiktionen und Gesetze diesbezüglich gibt. Das Kautionskonto ist dabei jedoch in den letzten Jahren immer noch das Maß aller Dinge gewesen. Benjamin Manz von Moneyland.ch schrieb in seinem Kautionskontovergleich für die Schweiz jedoch erst im Dezember 2021, dass auch in der Schweiz die Gebühren für die Kautionskonten steigen. In dem Vergleich werden 7 Banken im Vergleich aufgeführt, wovon 2 eine Eröffnungsgebühr von 50 CHF bis zu 100 CHF verlangen.

Da der Schweizer Franken aktuell (Januar 2022) sehr am Euro angelehnt ist (1 CHF = 0,97 €), ist der Vergleich mit deutschen Banken umso interessanter.

Welche Banken bieten in der Schweiz noch ein Kautionskonto an?

Der Sprachgebrauch in der Schweiz nutzt das Wort „Mietzinsdepot“ für das klassische Mietkautionskonto, also einem Sparkonto, welches einen Sperrvermerk erhält. Dies sollte man nicht mit einem Mietkautionsdepot verwechseln, welches in Deutschland für die Verwahrung von Aktien und Fonds genutzt wird und gleichzeitig eine Verpfändung ermöglicht.

Deutsche BezeichnungSchweizer Bezeichnung
MietkautionskontoMietzinsdepot
MietkautionsdepotWertschriftendepot

Und wenn es um die Gebühren geht, so kann man ggf. in Deutschland bereits ein Gefühl dafür bekommen, wo die Reise für Kautionskonten zukünftig hingehen kann:

BankEröffnungsgebührSaldierung Kautionsbetrag auf andere KontenZinsen
Zürcher Kantonalbank (ZKB)50 CHF20 CHF0,01%
Credit Suisse100 CHF0%
Zuger Kantonalbank30 CHF20 CHF0%
Raiffeisen Schweiz Genossenschaft15 CHF0%

Die schweizer Banken ziehen somit im Vergleich zu den deutschen Banken bereits die Gebühren-Schraube an, wenn man bspw. die deutschen Kautionskonten Anbieter vergleicht, so liegt hier die Commerzbank mit 59€ Eröffnungsgebühr am oberen Ende der Skala. Ein einfacher Vergleich ist auch hier direkt möglich:

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Welche Alternativen gibt es zum klassischen Kautionskonto?

Ein spannendes Detail scheint ebenfalls zwischen der Schweiz und Deutschland unterschiedlich: Der Mieter muss in der Schweiz die Kosten für das Kautionskonto tragen, in Deutschland ist dies nicht der Fall. Da rund 60% der schweizer Bürger Mieter sind, es ist daher nicht verwunderlich, dass immer mehr Mieter nach Alternativen suchen, welche die Kaution sinnvoll und mit geringen Gebühren hinterlegen lässt. Analog wie in Deutschland gibt es natürlich Kautionsversicherungen, welche jedoch laut einer Umfrage von comparis.ch im Jahr 2017 hauptsächlich aufgrund mangelnder Liquidität genutzt werden und finanziell nur in bestimmten Situationen sinnvoll sind.

Die Guthabenzinsen sind im Keller, die Börse hingegen steigt seit Jahren – das Mietkautionsdepot ist daher ebenfalls ein Produkt, welches für schweizer Mieter und Vermieter attraktiv erscheint, zu diesem Fazit kam ebenfalls das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) bereits im Jahr 1999 (sic!) – allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt so gut wie keine Anbieter für dieses Produkt. In Deutschland gibt es immerhin aktuell 4 Anbieter, growney als jüngster Zugang seit 2020 mit einem Managed Depot in Form eines Robo-Advisors.

Kommt die Mietkaution Genossenschaft?

André Müller von der Neuen Züricher Zeitung hat in dem Artikel zur Mietkaution Ende 2021 die Idee der Kautionsgenossenschaft erneut in Erwägung gezogen und mit einer dezentralen Hinterlegung der Kaution in Verbindung gebracht. Wie in dem Artikel zur Mietkaution in der Blockchain werden von Ihm Smart Contracts als Möglichkeit gesehen, die Kautionsverwaltung auch für vergleichsweise kleine Summen zu vereinfachen und den Verwaltungsaufwand dadurch zu reduzieren. Sein Fazit hierzu lautet jedoch, dass für diese kreative Idee der Leidensdruck der Mieter bisher zu klein ist, um Reformbemühungen anzutreiben.

Die Idee der Genossenschaft aus der Studie der BWO ist jedoch interessant. Als Mediator könnte eine Genossenschaft die delikate Rolle übernehmen mögliche Dispute zu klären.

Eine Genossenschaft für die Mietkaution könnte laut Studie in 4 Formen entstehen:

  • privatwirtschaftlich ohne Leistungsauftrag
  • privatwirtschaftlich mit Leistungsauftrag
  • gemischtwirtschaftlich mit Leistungsauftrag
  • öffentlich-rechtlich

Je nach Form, wären hierfür je nach Land Reformen und gesetzliche Änderungen notwendig um Funktionen und Organe zu bestimmen, oder aber die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, dies umzusetzen.

Es spricht Bände, dass die Idee seit der Veröffentlichung der Studie der BWO im Jahr 1999 nicht umgesetzt wurde – politischer Druck wird somit weder in Deutschland noch in der Schweiz gemacht oder von den aktuellen Banken und Versicherungen ausgeübt. Häufig enden Debatten über Wohnraum darin, noch mehr sozialen Wohnraum zu schaffen – die einmalige Zahlung der Kaution bei Einzug scheint trotz der immensen Summen die angelegt sind nicht weiter relevant.

Eine privatwirtschaftliche Lösung ohne zuvor gestelltem Leistungsauftrag, wie dies bspw. die Hausbank München in Deutschland für Vermieter darstellt könnte eine Lösung sein – der Vorteil zur aktuellen Situation für Mieter und Vermieter müsste dabei jedoch noch erst herausgearbeitet werden. Eine Bank dürfte aktuell kein Interesse daran, die bisherigen Strukturen zu ändern um auf eine dezentrale Lösung umzustellen.

Somit stellt ein Mietkautionsdepot, also die Anlage von Fonds aktuell für Mieter und Vermieter bei langen Mietverhältnissen dar, wenn es darum geht mit der Kaution eine Rendite zu erzielen.


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Autor: Mietkaution Redaktion

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