Christian Sili ist seit 2014 CEO der Deutschen Kautionskasse und konnte davor über 10 Jahre Know-how im Bereich Online und Direktvertrieb bei Versicherungskonzernen, sowohl national als auch international, sammeln.
Für das Jahr 2021 ist eine Interviewreihe geplant, bei der alle wichtigen Teilnehmer im Mietkaution Markt zu Wort kommen. In der Reihe der Interviewpartner macht Christian Sili den Anfang und geht im Detail auf Fragen zur Mietkaution, den aktuellen Produkten am Markt sowie der Marktentwicklung ein.

Sie sind schon sehr lange mit Versicherungen vertraut – welchen Reiz macht das Thema Mietkaution für Sie aus?

Wohnen ist ein Grundbedürfnis und Deutschland ist der größte Mietermarkt in Europa. 55% der Bevölkerung wohnt hierzulande in Mietimmobilien. In der Regel hinterlegen Mieter vor Beginn des Mietverhältnisses als Mietsicherheit eine Barkaution auf einem Kautionskonto oder mittels eines verpfändeten Sparbuchs. Und hier setzt eine Mietkautionsversicherung an: sie schont die Liquidität der Mieter noch vor dem Einzug, da kein Bargeld wie sonst üblich hinterlegt werden muss und dieses Geld nun für den Umzug oder andere Dinge zur Verfügung steht.

Das Produkt zählt zu der Sparte der Kautionsversicherungen. Diese ist praktisch das Gegenstück der Versicherungen zur Bürgschaft der Banken. Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Versicherung, wie z.B. eine Haftpflichtversicherung. Bei einer Mietkautionsversicherung meldet der Vermieter zur Regulierung den Schadenfall, jedoch wird diese Schadensumme vom Mieter als Regress zurückgefordert. Es handelt sich also um eine Vorleistung für den Fall der Fälle.

Die Mietkaution lässt sich in verschiedenen Arten hinterlegen – Wo sehen Sie die Vorteile gegenüber dem klassischen Mietkautionskonto?

Die finanzielle Belastung sinkt und die eigentlich beim Vermieter zu hinterlegende Summe steht frei zur Verfügung. Auch muss weder der Dispo überzogen, noch müssen Freunde und Verwandte nach Geld oder einer Privat-Bürgschaft gefragt werden. Der Antrag erfolgt direkt auf der Webseite bei uns oder bei einem unserer Vertriebspartner online innerhalb von ein paar Minuten. Nach wenigen Sekunden erhält der Antragsteller das Ergebnis der Risikoprüfung zu der auch eine SCHUFA-Bonitätsabfrage gehört. Im Gegensatz zu einer Bankbürgschaft ist die Anfrage bei der SCHUFA scoreneutral, d.h. die Kreditwürdigkeit verschlechtert sich nicht. Die Unterlagen erhält der Kunde dann innerhalb von 24 Stunden nach Antragstellung. Auch für den Vermieter sinkt der Verwaltungsaufwand signifikant, da kein Konto eröffnet werden muss und administrative Tätigkeiten entfallen. Lediglich die Bürgschaftsurkunde, der eigentliche Nachweis für die Mietsicherheit, muss der Vermieter verwahren, entweder vollständig digital oder wahlweise auf echtem Urkundenpapier mit Prägesiegel. Aufgrund der Besonderheit der Moneyfix Mietkaution „auf erstes Anfordern“ ist diese vergleichbar sicher wie eine Barkaution und erhöht somit die Akzeptanz beim Vermieter.

Wie nutzen Ihre Kunden Ihr Produkt? Bei welcher Art von Herausforderungen stehen Sie Ihnen zur Seite?

Unsere Kunden nutzen die Moneyfix Mietkaution im Rahmen von neuen Mietverhältnissen sowie beim sogenannten Sicherungstausch, d.h. sie holen sich die bereits hinterlege Barkaution bei ihrem Vermieter zurück. Da das Produkt gerade bei privaten Vermietern noch nicht überall bekannt ist, unterstützen wir unsere Kunden mit umfangreichen Informationen ggü. ihren Vermietern bzw. stehen Eigentümern für Fragen zum Produkt und zur Handhabung zur Verfügung.

Fintechs und Insuretechs werden häufig genannt, wenn es darum geht traditionelle Versicherungen und Bankengeschäfte zu revolutionieren. Welche Rolle spielt dies für Ihre Produkte?

Die DKK wurde zwar schon 2008 gegründet, fühlt sich der Mentalität eines Insurtechs recht nahe. Wir sind, anders als unsere Mitbewerber, nicht als Versicherungsmakler, sondern als Assekuradeur tätig. Das bedeutet, dass wir von den fünf Versicherungsunternehmen, mit denen wir derzeit zusammenarbeiten, teilweise mit sehr weitreichenden Zeichnungs- und Regulierungsvollmachten ausgestattet sind. Wir sind also nicht nur als Versicherungsvertreter aktiv, sondern sorgen dafür, dass von der Antragstellung bis hin zum Zahlungsverkehr und zur Schaden-/Regressabwicklung im Namen des jeweiligen Versicherers bei uns alles aus einer Hand erfolgen kann. Für Mieter und Vermieter hat dies den Vorteil, dass beide stets nur einen Ansprechpartner haben und die Kommunikation ohne Medienbrüche erfolgt.

Das versetzt uns in die Lage im Bereich der Mietkautionsversicherung als Assekuradeur Marktführer in Prozesseffizienz und Benutzerfreundlichkeit zu sein, da wir bedarfsgerecht Produkte und Abläufe anpassen können. So verfügen wir über eine langjährige Erfahrung im Underwriting und bei der Entwicklung von Annahmerichtlinien und Bedingungswerken für Mietkautionsversicherungen.

Die Corona Krise verändert unser tägliches Leben radikal – welche Auswirkungen hat die Krise auf Ihr Produkt und Ihr Unternehmen?

Als Unternehmen, das mit namhaften Versicherungsunternehmen zusammenarbeitet und somit die besonderen aufsichtsrechtlichen Auflagen erfüllen muss, war die Deutsche Kautionskasse AG (DKK) bereits vor Corona mit Blick auf die Geschäftsprozesse digital unterwegs. So findet z.B. der Abschluss der Moneyfix Mietkaution ausschließlich online statt, so dass die Eröffnung und Führung eines Kautionskontos bzw. Kautionssparbuchs mit vorgelagertem Besuch der eigenen Bankfiliale entfällt. Ein „Vorstrecken“ der Mietkaution in bar, gerade in der jetzigen Situation, entfällt somit – bei gleicher Sicherheit für den Vermieter. Gleichzeitig ist das Aufsuchen einer Bankfiliale mit Blick auf „Social Distancing“ nicht mehr erforderlich, sondern kann bequem von zu Hause aus erledigt werden.

Wir stellen wie bisher kurze und zugleich schnelle und direkte Kommunikationswege zwischen Vorstand, unseren Mitarbeitern und Kunden sowie Stakeholdern und anderen Unternehmen sicher. Bspw. finden täglich Videokonferenzen zwischen den Schlüsselpersonen bei der DKK statt, um laufend wichtige Informationen auszutauschen und schnell Entscheidungen auf kurzen Wegen zu treffen. Meetings mit anderen Unternehmen und externen Stakeholdern finden nicht mehr in den Räumen der DKK, sondern ausschließlich per Telefon / Videokonferenz statt. Alle unsere Mitarbeiter sind mittels der Anwendung „Microsoft Teams“ ständig miteinander verbunden. So ermöglichen wir einen schnellen und direkten Kommunikationsweg im Rahmen des Risk Managements. Wichtige Informationen werden so direkt, transparent und vollständig an die Mitarbeiter weitergeben, mit dem Ziel, Sicherheit und Vertrauen bei den Mitarbeitern zu schaffen.

Der Unternehmenssteuerung kommt aktuell eine besondere und vor allem aktive Rolle zu. Das Ziel ist, das Unternehmen, die Mitarbeiter und Stakeholder zu schützen und Risiken zu managen und damit den langfristigen Betrieb sicherzustellen. Da der Fall des Corona-Virus eine Situation mit völlig neuem Charakter darstellt, kommen auch Maßnahmen in Frage, die in der Vergangenheit noch nicht zum Tragen gekommen sind. Diese bewerten wir als Vorstand laufend, notfalls auch mehrmals täglich. Die DKK befolgt alle Empfehlungen der öffentlichen Stellen wie z.B. des Robert-Koch-Instituts oder des Gesundheitsamts aber auch darüber hinaus.

Es wird „Social Distancing“ über alle Hierarchieebenen aktiv vorgelebt, insbesondere die Zurverfügungstellung von Home Office Arbeitsplätzen – sofern dies die entsprechende Tätigkeit zulässt. Steuerbare Übertragungswege werden so vermieden. Mitarbeiter in den Bereichen Customer Care und Finanzen arbeiten im Schichtensystem, so dass wir hier zeitlich überkreuzungsfreie Tätigkeiten, eine sog. „Tandem-Lösung“ mit Vertretungsplanung sicherstellen können. Mitarbeiter in Teilzeit wurden als „Springer“ aktiviert. Dienstreisen wurden komplett eingestellt, interne & externe Meetings wurden verlegt und stattdessen die Möglichkeit der Videokonferenz genutzt. Arbeitsprozesse, die nicht sehr dringend benötigt werden, werden eingestellt, um einen schonenden Umgang von Ressourcen zu ermöglichen.

Als einer der ersten Anbieter haben Sie prominent Fernsehwerbung mit dem bekannten Comedian Markus Majowski gemacht und so auch für viele Marktbegleiter die Mietkautionsbürgschaft bekannt gemacht – wie sehen Sie die Entwicklung für den Markt in den nächsten Jahren?

Nach wie vor ist die Deutsche Kautionskasse der einzige Anbieter, der überhaupt nennenswert in Gattungswerbung im TV investierte und auch weiterhin investieren wird wie z.B. bei ImmoScout24. Das ist auch notwendig, wenn man einen neuen Markt entwickeln und sich – wie die Deutsche Kautionskasse – in diesem an die Spitze setzen will. Diese Art der Reichweitengewinnung ist aber auch sehr kostenintensiv. Mietkautionsversicherungen sind in Deutschland eben noch kein Selbstläufer. Derzeit kennt erst gut einer von drei Mietern diese Art der Kautionsstellung. Wir reden also über strategische Investitionen in die Zukunft. Leider ist die Deutsche Kautionskasse hier offenbar der einzige Anbieter im Markt, der sowohl willens als auch in der Lage war und ist, solche Marktentwicklungskosten zu leisten. Insofern finanzieren wir stets auch immer ein Stück das Wachstum der Wettbewerber mit.

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