Zinsentwicklung auf Mietkautionen seit 2010

Dieses Portal begleitet das Thema Mietkaution seit März 2010 — und damit genau den Zeitraum, in dem die Verzinsung von Kautionen erst fast vollständig verschwand und dann teilweise zurückkehrte. Der Verlauf Jahr für Jahr, mit dem, was er für eine Kaution von 3.000 Euro konkret bedeutet.
Quelle: Deutsche Bundesbank, Zinssätze für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Jahresdurchschnitte; der Wert für 2026 ist vorläufig. Einzelne Kautionskonto-Anbieter können von diesem Referenzzinssatz abweichen — nach oben wie nach unten.
2010–2012: Der Ausgangspunkt
Als dieses Portal im März 2010 online ging, lag der Referenzzins bei 1,43 %. Auf eine Kaution von 3.000 Euro kamen damit rund 43 Euro Zinsen im Jahr — genug, dass sich die Frage nach der Verzinsung überhaupt lohnte. 2011 stieg der Satz noch einmal auf 1,52 %, den höchsten Wert des gesamten hier betrachteten Zeitraums. Danach ging es sechzehn Jahre lang fast nur noch abwärts.
2013–2016: Der Absturz
Innerhalb von vier Jahren fiel der Satz von 0,99 % (2013) auf 0,29 % (2016) — eine Verringerung um mehr als zwei Drittel. Aus 43 Euro Jahresertrag auf 3.000 Euro Kaution wurden knapp 9 Euro. In diese Phase fällt der Beginn der EZB-Negativzinspolitik, und in dieser Phase begannen Banken, das Kautionskonto als Verlustgeschäft zu betrachten.
2017–2022: Sechs Jahre Nullzins
Von 0,20 % (2017) sank der Satz auf 0,09 % (2021 und 2022) — das Rekordtief der Reihe. Gegenüber 2011 entspricht das einem Rückgang um 94 %. Die Kaution von 3.000 Euro warf noch 2,70 Euro im Jahr ab, weniger als eine einzige Kontoführungsgebühr.
Das ist genau der Zeitraum, in dem die großen Filialbanken das Produkt aufgaben: Die Postbank stellte die Neuvergabe zum 1. Oktober 2020 ein, die Deutsche Bank zog sich 2021 aus dem Privatkundengeschäft zurück. Die vollständige Aufstellung steht in der Chronik: Welche Banken das Mietkautionskonto aufgegeben haben.
2023–2024: Die Zinswende
Mit den EZB-Leitzinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung drehte die Kurve: 0,41 % (2023), dann 0,74 % (2024) — der höchste Stand seit 2014. Der Jahresertrag auf 3.000 Euro stieg von 2,70 auf gut 22 Euro. Bemerkenswert ist die Verzögerung: Der Leitzins stieg bereits ab Mitte 2022, der Sparzins folgte erst mit rund einem Jahr Abstand. Banken geben Zinserhöhungen an Sparer langsamer weiter als Zinssenkungen.
2025–2026: Seitwärts auf niedrigem Niveau
2025 schloss bei 0,69 %, leicht unter dem Vorjahr. Für 2026 liegt der vorläufige Durchschnitt bei 0,68 % — der Trend zeigt seit dem Hoch 2024 wieder leicht nach unten, ohne dass von einer neuen Nullzinsphase die Rede wäre. Für die Praxis heißt das: Die Verzinsung ist zurück, aber sie liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2010 und klar unterhalb der Inflation.
Die vollständige Reihe 2010–2026
| Jahr | Referenzzinssatz | Zinsertrag auf 3.000 € |
|---|---|---|
| 2010 | 1,43 % | 42,90 € |
| 2011 | 1,52 % | 45,60 € |
| 2012 | 1,33 % | 39,90 € |
| 2013 | 0,99 % | 29,70 € |
| 2014 | 0,77 % | 23,10 € |
| 2015 | 0,45 % | 13,50 € |
| 2016 | 0,29 % | 8,70 € |
| 2017 | 0,20 % | 6,00 € |
| 2018 | 0,16 % | 4,80 € |
| 2019 | 0,13 % | 3,90 € |
| 2020 | 0,10 % | 3,00 € |
| 2021 | 0,09 % | 2,70 € |
| 2022 | 0,09 % | 2,70 € |
| 2023 | 0,41 % | 12,30 € |
| 2024 | 0,74 % | 22,20 € |
| 2025 | 0,69 % | 20,70 € |
| 2026 (vorläufig) | 0,68 % | 20,40 € |
Die Spalte rechts zeigt den rechnerischen Jahresertrag bei einer Kaution von 3.000 Euro, ohne Zinseszins und vor Steuern. Wer über die gesamten sechzehn Jahre eine Kaution in dieser Höhe hinterlegt hatte, kam damit auf rund 300 Euro Zinsen — von denen der größte Teil aus den ersten fünf Jahren stammt.
Eine noch längere Reihe bis zurück ins Jahr 1967 finden Sie unter Mietkaution Zinssatz Tabelle.
Die Reihe 1967 bis 2026 und die aktuellen Anbieterzinsen stehen als Dateien bereit — frei nutzbar unter CC BY 4.0:
- 60 Jahreswerte mit Ertrag auf 3.000 €: CSV · JSON
- Zinssätze einzelner Anbieter (Smartmiete, heykaution, Deutsche Mietkaution): CSV · JSON
Bitte nennen Sie als Quelle „mietkautionskonto.info, Zinsentwicklung auf Mietkautionen" und verlinken Sie diese Seite. Die Jahreswerte stammen von der Deutschen Bundesbank. Die Anbieterzinsen ändern sich; leere Zeitangaben bedeuten, dass der Zeitpunkt nicht belegt ist.
Was die Kurve erklärt
- Der EZB-Leitzins gibt die Richtung vor, wirkt auf den Sparzins aber verzögert — bei Erhöhungen stärker verzögert als bei Senkungen.
- Der Verwaltungsaufwand des Kautionskontos ist von Zinsen unabhängig. Er erklärt, warum Banken selbst nach der Zinswende nicht zurückgekehrt sind.
- Die Inflation entscheidet über die reale Rendite. In keinem Jahr dieser Reihe lag der Referenzzins darüber — mehr dazu unter Inflation und Mietkaution.
- Der einzelne Anbieter weicht vom Referenzzins ab: Die Spanne reicht von 0,001 % bis über 1 %, wie der Anbietervergleich zeigt.
Praktische Empfehlungen
- Für Mieter: Die Zinsen gehören Ihnen und erhöhen die Kaution. Bei der Abrechnung nach dem Auszug sollten sie ausgewiesen sein — fehlen sie, aktiv nachfragen.
- Für Vermieter: Eine Einrichtungsgebühr von 59 Euro frisst beim heutigen Zinsniveau den Ertrag von fast drei Jahren. Der Gebührenvergleich wiegt schwerer als der Zinsvergleich.
- Für beide: Bei längeren Mietverhältnissen lohnt der Blick auf Alternativen wie das Mietkautionsdepot — mit dem Kursrisiko, das dazugehört.
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