Mietkautionsdepot: Die Mietkaution als Depot anlegen

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Mietkautionsdepot: Die Mietkaution als Depot anlegen

Ein Mietkautionsdepot ist eine Alternative zum klassischen Sparkonto: Statt Bargeld als totes Kapital liegen zu lassen, werden Fondsanteile erworben und an den Vermieter verpfändet. Das schützt vor Kaufkraftverlust durch die anhaltend niedrigen Sparzinsen und bietet Renditechancen durch Sachwerte.


Vorteile und Nachteile

Vorteile:

  • Höhere Renditechancen als beim klassischen Sparkonto
  • Inflationsschutz durch Sachwertanlage
  • Keine Negativzinsen oder Verwahrentgelte
  • Investition in reale Werte statt reinem Bargeld

Nachteile:

  • Aufwendigere Einrichtung als bei einem klassischen Kautionskonto
  • Für Vermieter mit vielen Mietern eingeschränkte zentrale Verwaltbarkeit
  • Kursschwankungen bei der Fondsauswahl möglich

Anbieter im Vergleich

Aktuell bieten vier Institute verpfändbare Fondsdepots in Deutschland an — darunter Morgenfund, das Mietkautionsdepot der DWS Group (Tochtergesellschaft der Deutschen Bank), sowie das Deka-Depot, das viele Sparkassen als Verpfändungslösung vermitteln:

MerkmalMorgenfund (DWS)FIL Fondsbank (FFB)Fondsdepot BankDeka (über Sparkasse)
Depotgebühr p. a.0 € (ab 20.000 € aktiv verwaltet)12 €0 € (ab 1.500 € aktiv verwaltet)12,50 €
Verpfändungsgebühr (einmalig)20 €30 €25 €20 €
Aktien-/Fondstransaktionen0 €5 €0 €keine bei Verkauf
ETF-Kosten0,2 %, min. 5 €, max. 60 €je 5 € zzgl. Börsenentgelt0,2–0,8 % zzgl. Börsenentgeltanbieterabhängig (rund 900 Fonds wählbar)
Legitimation für Vermieternicht nötigper PostIdentper PostIdentVerpfändungsformular in der Filiale

Hinweis zu weiteren Depotbanken: Ein normales Wertpapierdepot bei Consorsbank oder vergleichbaren Direktbanken lässt sich in der Regel nicht anteilig verpfänden — möglich ist dort nur eine Komplettverpfändung des gesamten Depots über ein zusätzliches, eigens dafür eröffnetes Depot, ohne Vorlage für die Verpfändungserklärung. Für die reine Mietkaution ist das unpraktisch; die oben genannten vier Anbieter haben dagegen einen standardisierten Prozess dafür.

Wichtig zu Growney: Der Robo-Advisor Growney bot bis Anfang 2022 ebenfalls ein Mietkautionsdepot an und wurde damals unter anderem in Finanztest 10/2021 besprochen — das Produkt wurde inzwischen eingestellt. Wer bei einer Recherche noch auf Growney als Anbieter stößt, findet dort kein aktuelles Angebot mehr.

Welche Fonds eignen sich?

Empfohlen werden Fonds mit geringer Volatilität und breiter Streuung:

  • ETF-basierte Fonds — Kosten von rund 0,45 % p. a.
  • Aktiv gemanagte Alternativen — 2–3 % Gebühren, dafür ohne Ausgabeaufschlag
  • Konservative Mischfonds — z. B. Arero-Fonds als Beispiel für breit gestreute, defensivere Positionierung

So richten Sie ein Mietkautionsdepot ein

  1. Mit dem Vermieter abstimmen, ob die Depotform akzeptiert wird.
  2. Passende Fonds recherchieren, bevor das Depot eröffnet wird.
  3. Anbieter wählen (FFB, Fondsdepot Bank oder Morgenfund, teils über Broker-Plattformen).
  4. Fondsanteile übertragen oder neu kaufen in Höhe der Kautionssumme.
  5. Verpfändungserklärung beantragen — online im Kundenkonto oder per PDF-Antrag.
  6. Urkunde an den Vermieter übergeben oder direkt durch die Bank übermitteln lassen.

Der Verpfändungsprozess selbst unterscheidet sich spürbar je nach Anbieter: Bei der Fondsdepot Bank erfolgt keine Pfandreifeprüfung, und der Mieter wird nicht benachrichtigt, wenn der Vermieter im Sicherungsfall auf die Fondsanteile zugreift. Bei der FFB ist der Prozess am ausführlichsten dokumentiert — hier muss der Mieter vor einem Verkauf der Anteile benachrichtigt werden, mit einer Frist von vier Wochen. Bei Morgenfund (DWS) ist die Vorlage am knappsten gehalten, ohne Pfandreifeprüfung und ohne Änderungsmöglichkeit am Formular. Alle Vorlagen gelten dabei ausdrücklich ohne Gewähr für den Einzelfall — bei größeren Kautionssummen empfiehlt sich vorab eine kurze rechtliche Abstimmung.

Renditevergleich: Ein Rechenbeispiel

Bei 1.500 € auf einem klassischen Sparkonto mit 0,01 % Zinssatz ergibt sich über 3 Jahre eine Rendite von gerade einmal 0,45 €. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Fondsrendite von 4 % p. a. stünden im selben Zeitraum nach Abzug der Depotgebühren rund 76,30 € Gewinn — ein deutlicher Unterschied. Der genaue Vergleich für die eigene Kautionssumme und Mietdauer, inklusive klassischem Kautionskonto und Kautionsbürgschaft, lässt sich direkt im Mietkautionsrechner berechnen.

Steuerliche Behandlung der Fondserträge

Kursgewinne, Dividenden und Ausschüttungen aus dem Mietkautionsdepot unterliegen wie bei jedem anderen Wertpapierdepot der Abgeltungsteuer: 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag (sowie ggf. Kirchensteuer), automatisch einbehalten von der depotführenden Bank. Der jährliche Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person (2.000 € bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren) bleibt auch für Erträge aus dem Kautionsdepot steuerfrei — dafür muss bei der depotführenden Bank ein Freistellungsauftrag hinterlegt werden, sonst zieht die Bank die Steuer direkt ab, selbst wenn der Freibetrag im betreffenden Jahr gar nicht ausgeschöpft wäre.

Steuerpflichtig ist dabei diejenige Person, auf deren Namen das Depot läuft — bei einem Mieter-Depot mit Verpfändung an den Vermieter bleibt der Mieter also auch steuerlich Inhaber der Erträge, ganz unabhängig von der Verpfändung.

Was passiert bei fallenden Kursen genau?

Anders als beim klassischen Kautionskonto ist der Depotwert nicht garantiert. Fällt der Kurs der gehaltenen Fondsanteile unter die vereinbarte Kautionssumme, kann der Vermieter vom Mieter eine Nachbesicherung verlangen — also zusätzliches Kapital, um die vereinbarte Sicherheit wieder auf die volle Höhe zu bringen. Das kann gerade bei kurzfristigem Kapitalbedarf zur Belastung werden, weshalb sich die Depotform vor allem für Mieter mit einem gewissen finanziellen Polster und einer Mietdauer von mehreren Jahren eignet, über die sich Kursschwankungen eher ausgleichen.

Mietkautionsdepot oder doch lieber Konto oder Bürgschaft?

Das Depot ist nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Mietkaution anzulegen — welche Variante sich lohnt, hängt stark von der individuellen Situation ab:

Klassisches Kautionskonto

Kapitalerhalt garantiert, dafür kaum Zinsen. Die beste Wahl für alle, die keinerlei Kursrisiko eingehen möchten. Vergleich: Mietkautionskonto Anbieter im Vergleich.

Mietkautionsbürgschaft

Kein gebundenes Kapital, dafür laufende Kosten ohne Rückerstattung. Sinnvoll, wenn Liquidität wichtiger ist als Kapitalerhalt. Vergleich: Mietkautionsbürgschaft im Vergleich.

Mietkautionsdepot

Renditechance durch Sachwerte, dafür Kursrisiko und mögliche Nachbesicherungspflicht. Die beste Wahl für längere Mietverhältnisse mit finanziellem Polster.

Wer lieber bei der eigenen Haus- oder Regionalbank bleiben möchte, findet unter Regionale Banken mit Mietkautionskonto eine durchsuchbare Übersicht aller deutschen Sparkassen und Volksbanken. Wie sich die Zinsen auf ein klassisches Kautionskonto historisch entwickelt haben — und warum sie aktuell so niedrig ausfallen — erklärt Mietkaution Zinsen: Was Mieter wirklich bekommen.

Häufige Fragen

Welche Fonds eignen sich für die Mietkaution?

Breit gestreute ETF-Fonds mit geringen laufenden Kosten und konservativer Ausrichtung gelten als Standardempfehlung — die individuell passende Wahl hängt aber von der persönlichen Risikobereitschaft und der geplanten Mietdauer ab.

Funktioniert das auch bei Gewerbemieten?

Die Depotform selbst ist unabhängig davon, ob privat oder gewerblich vermietet wird — die genaue Eignung für den jeweiligen Verwendungszweck sollte aber vorab beim Anbieter geklärt werden.

Was passiert bei Auszug?

Der Vermieter gibt die Verpfändung mit einer Freigabeerklärung frei, danach können die Fondsanteile normal gehalten oder verkauft werden. Details: Mietkautionskonto auflösen.

Trägt der Mieter bei fallenden Kursen das volle Verlustrisiko?

Ja — anders als beim klassischen Kautionskonto ist der Depotwert nicht garantiert und schwankt mit dem Kurs der gehaltenen Fondsanteile. Fällt der Kurs unter die vereinbarte Kautionssumme, kann der Vermieter eine Nachbesicherung verlangen.

Muss der Vermieter ein Mietkautionsdepot akzeptieren?

Nein. Anders als beim klassischen Kautionskonto besteht keine Pflicht, ein Depot als Mietsicherheit zu akzeptieren — die Depotform muss vorab einvernehmlich mit dem Vermieter vereinbart werden.

Bietet Growney noch ein Mietkautionsdepot an?

Nein. Growney hat sein Mietkautionsdepot-Produkt eingestellt, das zuvor unter anderem in Finanztest 10/2021 besprochen wurde. Aktuell aktive Anbieter mit vergleichbarem Angebot sind Morgenfund (DWS), FIL Fondsbank (FFB), Fondsdepot Bank und das Deka-Depot über die Sparkasse.

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