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Eigenbedarf-Prüfer

Wie angreifbar ist eine Eigenbedarfskündigung, und welche Kündigungsfrist gilt? Fünf kurze Fragen genügen für eine erste Einordnung, für Mieter wie für Vermieter.

Mit Kündigungsfrist nach § 573c BGBLäuft nur im BrowserKostenlos, ohne Anmeldung
1. Für wen wird der Eigenbedarf geltend gemacht?
2. Wie lange wohnt der Mieter bereits in der Wohnung?
3. Wurde die Wohnung erst kürzlich in Eigentumswohnung umgewandelt und verkauft?
4. Gibt es eine vergleichbare freie Wohnung im selben Haus oder derselben Wohnanlage, über die der Vermieter verfügt?
5. Ist der Mieter besonders schutzbedürftig (hohes Alter, schwere Krankheit, Schwangerschaft, sehr lange Wohndauer mit starker Verwurzelung)?

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So funktioniert der Prüfer

  1. Fünf Fragen beantworten

    Begünstigte Person, Wohndauer, Umwandlung, Alternativwohnung und Härtegründe. Die Antworten ändern das Ergebnis sofort.

  2. Ampel und Angriffspunkte lesen

    Sie sehen, wie hoch das Anfechtungsrisiko ist und welcher Faktor es treibt, jeweils mit der Rechtsgrundlage.

  3. Frist und nächste Schritte klären

    Die gesetzliche Kündigungsfrist steht direkt im Ergebnis. Den Termin auf den Tag rechnet der Kündigungsfristen-Rechner.

Für wen der Prüfer gedacht ist

Mieter mit Kündigung

Sie haben eine Eigenbedarfskündigung erhalten und wollen wissen, ob sich ein Widerspruch oder eine Prüfung lohnt.

Vermieter mit Plan

Sie überlegen zu kündigen und wollen vorher sehen, wo die Kündigung angreifbar wäre, etwa bei Sperrfrist oder Person.

Käufer vermieteter Wohnungen

Nach dem Kauf gilt eine Sperrfrist. Der Prüfer zeigt, wie sie sich auf eine spätere Eigennutzung auswirkt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Prüfer liefert eine erste, unverbindliche Einschätzung anhand weniger Faktoren und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Bei einer konkret erhaltenen oder geplanten Eigenbedarfskündigung sollte im Zweifel ein Fachanwalt für Mietrecht oder der örtliche Mieterverein hinzugezogen werden.

Wie funktioniert die Risiko-Einschätzung?

Der Prüfer bewertet fünf Faktoren, die in Gesetz und BGH-Rechtsprechung als typische Angriffspunkte einer Eigenbedarfskündigung gelten, und addiert dafür Risikopunkte:

Aus der Summe der Risikopunkte ergibt sich eine von drei Kategorien: niedriges,mittleres oder hohes Anfechtungsrisiko. Das Ergebnis ist eine grobe Orientierung und keine Rechtsberatung — siehe Disclaimer oben.

Kündigungsfrist nach § 573c BGB

Unabhängig vom Anfechtungsrisiko gilt für die Kündigungsfrist des Vermieters die gestaffelte Frist nach § 573c Abs. 1 BGB:

WohndauerKündigungsfrist des Vermieters
Bis 5 Jahre3 Monate
5 bis 8 Jahre6 Monate
Mehr als 8 Jahre9 Monate

Den genauen Kündigungstermin auf den Tag berechnen kann der Kündigungsfristen-Rechner — er berücksichtigt zusätzlich den Zugangszeitpunkt und die 3-Werktage-Regel.

Was eine wirksame Eigenbedarfskündigung enthalten muss

Die Kündigung muss schriftlich erfolgen (§ 568 BGB) und das berechtigte Interesse konkret begründen (§ 573 Abs. 3 BGB). Es genügt nicht, nur „Eigenbedarf“ zu schreiben: Das Schreiben muss die Person nennen, für die die Wohnung gebraucht wird, und den Grund, warum sie einziehen will. Gründe, die erst später nachgeschoben werden, bleiben in der Regel unberücksichtigt. Außerdem soll der Vermieter auf das Widerspruchsrecht des Mieters und dessen Form und Frist hinweisen.

Was Mieter tun können

Ein Widerspruch nach der Sozialklausel (§ 574 BGB) soll in Schriftform erfolgen, und zwar spätestens zwei Monate vor Ende des Mietverhältnisses (§ 574b BGB). Hat der Vermieter nicht auf diese Frist hingewiesen, kann der Widerspruch noch später erklärt werden. Unabhängig davon lohnt es sich, den genannten Eigenbedarf zu hinterfragen: Zieht die genannte Person nach Ihrem Auszug nicht ein, kann ein Schadensersatzanspruch entstehen.

Steht der Auszug fest, klären Sie rechtzeitig Übergabe und Kaution. Die Übergabe-Checkliste hilft bei Zählerständen und Mängelprotokoll, wie die Kaution zurückkommt, steht unter Rückzahlung der Mietkaution.

Was Vermieter beachten sollten

Der Eigenbedarf muss ernsthaft und nachvollziehbar sein, und er muss bis zum Auszug des Mieters bestehen bleiben. Wer die Wohnung nach dem Auszug nicht wie angegeben nutzt, riskiert Schadensersatz. Prüfen Sie vor der Kündigung, ob eine Sperrfrist nach § 577a BGB gilt, ob eine vergleichbare Wohnung im Haus frei ist und ob beim Mieter Härtegründe vorliegen. Für laufende Fristen und Mietverhältnisse mehrerer Wohnungen eignet sich das Vermieter-Cockpit.

Weiterlesen: Voraussetzungen, Fristen und Rechte im Detail

Alle rechtlichen Hintergründe zur Eigenbedarfskündigung — Formvorschriften, Widerspruchsrecht, vorgetäuschter Eigenbedarf und mehr — erklärt ausführlich der Artikel Eigenbedarfskündigung: Voraussetzungen, Fristen und Rechte.

Häufige Fragen

Ersetzt der Eigenbedarf-Prüfer eine anwaltliche Beratung?
Nein. Das Tool liefert eine erste, unverbindliche Einschätzung anhand weniger Faktoren und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall. Bei einer konkret erhaltenen oder geplanten Eigenbedarfskündigung sollte im Zweifel ein Fachanwalt für Mietrecht oder der örtliche Mieterverein hinzugezogen werden.
Macht eine nicht angebotene Alternativwohnung die Kündigung automatisch unwirksam?
Nicht mehr automatisch. Der Bundesgerichtshof hat seine Rechtsprechung 2016 geändert (Urteil vom 14.12.2016, Az. VIII ZR 232/15): Verletzt der Vermieter die Pflicht, eine im selben Haus oder derselben Wohnanlage frei werdende, vergleichbare Wohnung anzubieten, bleibt die Kündigung wirksam. Der Mieter kann aber Schadensersatz verlangen, etwa für Umzugskosten.
Was passiert, wenn sich der Eigenbedarf später als vorgetäuscht herausstellt?
Zieht die im Kündigungsschreiben genannte Person nachweislich nicht ein oder bestand der Eigenbedarf nachweislich nie, haftet der Vermieter nach § 280 Abs. 1 BGB auf Schadensersatz (BGH, Urteil vom 10.06.2015, Az. VIII ZR 99/14) — etwa für Umzugskosten, Maklergebühren und die Mietdifferenz zur Ersatzwohnung über einen angemessenen Zeitraum.
Wie sicher ist die Einschätzung des Tools?
Die Einschätzung beruht auf einer vereinfachten Gewichtung von fünf gesetzlich und höchstrichterlich verankerten Risikofaktoren. Jeder Einzelfall hängt aber zusätzlich von Details ab, die ein anonymer Klick-Pfad nicht abbilden kann — etwa der genauen Formulierung des Kündigungsschreibens, der Beweislage oder regionalen Sperrfristverordnungen. Die Einschätzung ist daher als Orientierung, nicht als Ergebnis zu verstehen.

Quellen