Geldmarktfonds als Mietkaution?

Geldmarktfonds gelten als vergleichsweise sichere Geldanlage mit etwas höherer Rendite als klassische Sparkonten. Eignen sie sich auch für die Anlage der Mietkaution? Diese Seite richtet sich vor allem an Vermieter, die Sicherheit und Planbarkeit schätzen.
Pro: Rendite und Flexibilität
- Attraktive Rendite: Geldmarkt-ETFs bieten in der aktuellen Zinslage eine höhere Verzinsung als klassische Treuhandkonten.
- Geringe Volatilität: Kurzlaufende Anleihen minimieren Kursschwankungen.
- Digitale Verwaltung: Online-Verwaltung und schnelle Rückzahlung möglich.
- Inflationsschutz: Die höhere Rendite schützt zumindest teilweise vor Kaufkraftverlust.
Kontra: Risiken, die nicht ignoriert werden dürfen
Kapitalmarktrisiko: Auch Geldmarkt-ETFs investieren in Anleihen und Geldmarktinstrumente. In extremen Finanzkrisen kann der Wert leicht unter den ursprünglichen Einzahlungsbetrag fallen.
Währungs- und Regulierungsrisiken: Internationale Finanzschocks können indirekt Auswirkungen haben; theoretische Risiken wie Währungsreformen könnten die Verfügbarkeit verzögern.
Liquiditätsrisiko: Im Normalfall lässt sich die Kaution sofort auszahlen. In seltenen Stresssituationen muss die Plattform die ETFs zunächst liquidieren — das kann kurzfristig zu Verzögerungen bei der Auszahlung führen.
Psychologisches Risiko: Für sicherheitsorientierte Vermieter wirken Kapitalmarktinvestitionen unnötig riskant.
Rechtliche Voraussetzung: Zustimmung des Mieters
Nach § 551 Abs. 3 BGB ist die gesetzliche Standardanlage ein Konto mit dem für dreimonatige Spareinlagen üblichen Zinssatz — eine abweichende Anlageform wie ein Geldmarktfonds ist nur zulässig, wenn Vermieter und Mieter dies ausdrücklich vereinbaren. Der Vermieter kann diese Anlageform also nicht einseitig festlegen. Da die Erträge in jedem Fall dem Mieter zustehen und die Kaution erhöhen, sollte die Vereinbarung schriftlich im Mietvertrag festgehalten werden.
Aktuelle Zinslage (Stand Juli 2026)
Die EZB hat den Einlagenzins am 17. Juni 2026 auf 2,25 % angehoben. Geldmarktfonds orientieren sich eng an diesem Zinsniveau — ihre Rendite lag zuletzt bei rund 2 % und dürfte nach der Erhöhung tendenziell wieder etwas steigen. Das folgende Rechenbeispiel mit 3 % p. a. liegt damit am oberen Ende dessen, was aktuell realistisch erzielbar ist, nicht am typischen Durchschnitt.
Rechenbeispiel
Bei einer Kautionssumme von 3.000 € und einer angenommenen Verzinsung von 3 % p. a. über drei Jahre ergeben sich rund 270 € Zinsertrag — verglichen mit oft nahe 0 % bei einem klassischen Kautionssparbuch. Der tatsächliche Ertrag hängt jedoch vom jeweiligen Fonds und der Marktentwicklung ab und ist nicht garantiert.
Für welche Vermieter ist ein Geldmarktfonds sinnvoll?
Risikoaverse Vermieter: Klassische Treuhandkonten bleiben die beste Wahl — mit Fokus auf absolute Sicherheit und planbare Rückzahlung.
Renditeorientierte, digital affine Vermieter: Geldmarktfonds können bei vergleichsweise niedrigem Risiko eine geringfügig bessere Verzinsung bieten.
Fazit
Will man eine Mietkaution wirklich dem Kapitalmarkt aussetzen — selbst bei niedrigem Risiko? Für viele Vermieter, die Immobilien als „Betongold” betrachten, ist die Antwort klar: Sicherheit geht vor Rendite. Wer dennoch höhere Renditen sucht, findet mit einem Mietkautionsdepot eine etablierte Alternative mit ähnlicher Grundidee.
Häufige Fragen
Kann der Mieter die Zustimmung zur Geldmarktfonds-Anlage verweigern?
Ja — ohne Zustimmung des Mieters bleibt es bei der gesetzlichen Standardanlage in Form eines verzinsten Kontos. Der Vermieter kann eine alternative Anlageform nicht erzwingen.
Wer haftet, wenn der Fondswert bei Auszug gesunken ist?
Das Kapitalmarktrisiko trägt in der Regel derjenige, der die Anlageform gewählt bzw. ihr zugestimmt hat — meist vertraglich der Vermieter als Kontoinhaber, der im schlechtesten Fall die Differenz zur ursprünglichen Kautionssumme aus eigener Tasche ausgleichen müsste.