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Chronik: Welche Banken das Mietkautionskonto aufgegeben haben

Als dieses Portal im März 2010 startete, war das Mietkautionskonto ein Selbstverständlichkeit: Man ging zur Hausbank, eröffnete ein Sparbuch, verpfändete es und war fertig. Sechzehn Jahre später ist daraus ein Nischenprodukt geworden, das mehrere der größten deutschen Banken gar nicht mehr anbieten. Diese Chronik hält fest, wer wann ausgestiegen ist — und was an die Stelle getreten ist.

Die Chronik im Überblick

ZeitpunktInstitutWas passiert istArchivbeleg
1. Oktober 2020PostbankNeuvergabe des Mietkautionskontos eingestelltProduktseite, 16.12.2019
2021Deutsche BankRückzug aus dem Privatkundengeschäft; stattdessen Vermittlung einer KautionsversicherungKautionsversicherung, 27.07.2021
2023HypoVereinsbank (UniCredit)Neuvergabe von Mietkautionssparbüchern eingestelltMietkaution-Seite, 10.12.2023
spätestens 19. Juni 2025DKBMietkautionskonto eingestellt, Neuabschluss nicht mehr möglichDKB-Hinweis, 19.06.2025
31. August 2026DKBnicht genutzte Vermieterpaket-Verträge gekündigt, darunter Mietkautionssammelkonten

Eine Einordnung vorweg, damit klar ist, wie belastbar die einzelnen Zeilen sind. Nur die Postbank und die DKB haben ihre Änderung selbst datiert kommuniziert; bei der Deutschen Bank und der HypoVereinsbank ließ sich kein Stichtag feststellen, weil beide das Produkt still aus dem Angebot genommen haben. In der rechten Spalte steht deshalb zu jedem Eintrag ein Schnappschuss aus dem Internet Archive — die Seite des Instituts selbst, zu dem angegebenen Datum.

2010–2019: Das Jahrzehnt, in dem nichts passierte — außer beim Zins

In den ersten zehn Jahren dieses Portals verschwand kein einziger großer Anbieter. Was sich veränderte, war der Ertrag: Der Bundesbank-Referenzzins für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist lag 2010 bei 1,43 % und fiel bis 2019 auf 0,13 % — ein Rückgang um rund 91 %. Für die Banken bedeutete das, dass die Zinsmarge auf einem Produkt wegbrach, das ohnehin viel Handarbeit verlangt: Verpfändungserklärung, Freigabe beim Auszug, Sonderfälle bei Mieterwechsel oder Eigentümerwechsel.

Der Rückzug begann also nicht mit einer Ankündigung, sondern mit einer Rechnung, die nicht mehr aufging. Den vollständigen Verlauf zeigt Zinsentwicklung auf Mietkautionen seit 2010.

1. Oktober 2020: Die Postbank macht den Anfang

Die Postbank stellte die Neuvergabe zum 1. Oktober 2020 ein — der erste große Filialanbieter, der diesen Schritt ging, und bis heute der einzige mit einem klar kommunizierten Stichtag. Bestehende Konten liefen normal weiter, neue wurden nicht mehr eröffnet.

Der Archivstand belegt das Davor und das Danach: Am 16. Dezember 2019 war die Produktseite unter postbank.de/privatkunden/mietkautionskonto.html noch online, samt Seitentitel „Postbank: Mietkautionskonto — Zinsen für Ihre Mietkaution sichern”. Dieselbe Adresse liefert heute einen 404-Fehler. Details und der Weg zur Auflösung eines Altkontos stehen unter Mietkautionskonto Postbank.

2021: Die Deutsche Bank verweist auf die Versicherung

Ein Jahr später zog die Deutsche Bank für Privatkunden nach. Bemerkenswert ist hier weniger der Ausstieg selbst als das, was an seine Stelle trat: Wer heute im Kundenservice nach einer Kaution fragt, bekommt die Kautionsversicherung eines Partners angeboten — ein Produkt mit laufender Gebühr für den Mieter und Provisionsertrag für die Bank, statt eines verzinsten Kontos ohne Marge.

Wie früh dieser Wechsel vollzogen war, zeigt der Archivstand vom 27. Juli 2021: Die Bank warb dort bereits mit „Sparen Sie sich das Hinterlegen einer Kaution” und verwies auf eine Mietkautionsversicherung, die sie gemeinsam mit dem Kooperationspartner kautionsfrei.de und der R+V Allgemeine Versicherung AG anbot. Für Hausverwaltungen und gewerbliche Vermieter ist das Kontogeschäft dagegen geblieben. Mehr dazu unter Mietkautionskonto Deutsche Bank.

2023: HypoVereinsbank — der Ausstieg, der nicht ins Zinsmuster passt

2023 beendete die HypoVereinsbank (UniCredit) die Neuvergabe von Mietkautionssparbüchern. Dieser Fall ist aufschlussreich, weil er der naheliegenden Erklärung widerspricht: Der Referenzzins war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder auf 0,41 % gestiegen, die Zinswende also in vollem Gange. Wenn eine Bank ausgerechnet dann aussteigt, wenn sich das Produkt wieder zu rechnen beginnt, liegt der Grund offenbar nicht nur am Zins, sondern am Verwaltungsaufwand — und der bleibt, egal wie die EZB entscheidet.

Auf der eigenen Mietkaution-Seite der HVB war das im Archivstand vom 10. Dezember 2023 bereits abzulesen: Wer dort als Mieter nach einer Lösung suchte, bekam ausschließlich eine „Mietkautionsversicherung” über die Allianz angeboten. Das Mietkautionskonto kam nur noch in den Abschnitten für bestehende Konten vor — etwa bei der Frage, was bei einem Vermieterwechsel zu tun ist. Siehe Mietkautionskonto HypoVereinsbank.

DKB: erst das Konto, dann das ganze Vermieterpaket

Die DKB hat den Neuabschluss von Mietkautionskonto und Mietaval eingestellt, ohne dafür einen Stichtag zu nennen. Eingrenzen lässt er sich trotzdem: Der früheste im Internet Archive verfügbare Stand ihrer Ratgeberseite, vom 19. Juni 2025, trug bereits den Kasten „Wichtige Info zum Mietkautionskonto der DKB — Wir haben unser Mietkautionskonto eingestellt und bieten es ab sofort nicht mehr an. Bestehende Konten bleiben aktiv und werden wie gewohnt verwaltet.” Spätestens an diesem Tag war der Ausstieg also vollzogen; alle sieben archivierten Stände dieser Seite zeigen den Hinweis.

Deutlicher datiert ist der zweite Schritt: Zum 31. August 2026 kündigte die Bank nicht genutzte Vermieterpaket-Verträge — betroffen sind Mietkonten, Instandhaltungskonten und Mietkautionssammelkonten. Der Kündigung kann nicht widersprochen werden, eine automatische Überleitung zu einem anderen Anbieter gibt es nicht. Was Betroffene tun können, steht unter DKB Mietkautionskonto eingestellt.

Die Banken, die nie dabei waren

Nicht jede Lücke ist ein Rückzug. ING, comdirect, Consorsbank und N26 haben nie ein Mietkautionskonto geführt. Das wird regelmäßig verwechselt — wer bei einer dieser Banken sucht und nichts findet, hält das leicht für eine kürzliche Streichung.

Die Gegenbewegung: Plattformen statt Filialen

Während die Filialbanken ausstiegen, ist die Lücke nicht leer geblieben — sie wurde von Plattformen gefüllt, die das Konto bei einer Partnerbank führen und die Verwaltung digitalisieren:

  • Smartmiete (Partnerbank Instabank) bietet seit 2025 ein kostenloses digitales Treuhandkonto für Vermieter.
  • heykaution arbeitet mit einer Volksbank als Partnerbank und richtet sich ebenfalls an Vermieter.
  • Deutsche Mietkaution (miet-kaution.de) kam im August 2026 dazu, mit einem gebührenfreien Konto bei der Baader Bank, das auch einzelnen Mietern offensteht.

Das ist die eigentliche Verschiebung der vergangenen Jahre: weg von der Hausbank um die Ecke, hin zu spezialisierten Anbietern, für die genau dieser Verwaltungsaufwand das Geschäftsmodell ist statt ein Kostenfaktor.

Und die Regionalbanken?

Sparkassen, Volksbanken, PSD- und Sparda-Banken sind eigenständige Institute — ein pauschaler „Ausstieg” lässt sich für sie nicht datieren, weil jedes Haus einzeln entscheidet. Unsere laufende Prüfung von 973 Regionalbanken zeigt ein geteiltes Bild: Sparkassen halten am Kautionskonto weitgehend fest, während viele Genossenschaftsbanken auf gebührenpflichtige Bürgschaften ausweichen. Die Auswertung dazu steht im Kommentar Kostenfalle Mietkaution, die Einzelergebnisse in der Datenbank regionaler Banken.

Was das für Mieter und Vermieter heute bedeutet

Drei praktische Konsequenzen aus sechzehn Jahren Marktbeobachtung:

  1. Die Hausbank ist nicht mehr die erste Adresse. Wer 2010 einfach in die Filiale ging, muss heute vorher prüfen, ob das Institut das Produkt überhaupt noch führt — und ob es für Mieter oder nur für Vermieter offensteht.
  2. Ein eingestelltes Angebot betrifft Bestandskonten nicht. In allen hier dokumentierten Fällen liefen bestehende Konten normal weiter. Wer ein Altkonto hat, muss nicht handeln, bis das Mietverhältnis endet.
  3. Der Vergleich lohnt sich wieder. Seit der Zinswende gibt es messbare Unterschiede zwischen den Anbietern — und Einrichtungsgebühren zwischen 15 € und 59 €, die den Zinsertrag mehrerer Jahre übersteigen können. Die aktuelle Übersicht: Mietkautionskonto Anbieter im Vergleich.

Quellen und Belege

Die Angaben dieser Chronik stammen aus der laufenden eigenen Beobachtung des Marktes seit 2010: aus den Produktseiten, Preisaushängen und Kundenmitteilungen der genannten Institute, die wir für die jeweiligen Anbieterseiten dieses Portals geprüft und dort im Einzelnen belegt haben.

Das Problem an einer solchen Chronik ist, dass ihre Belege verschwinden: Eine Bank, die ein Produkt einstellt, nimmt in aller Regel auch die Seite vom Netz, die es beschrieben hat. Die Postbank-Adresse aus dem Jahr 2019 liefert heute einen 404-Fehler. Deshalb verweist jeder Eintrag oben auf einen Schnappschuss im Internet Archive — auf die Seite des Instituts selbst, zum genannten Datum, unabhängig von uns gespeichert.

Hinweise auf Ungenauigkeiten oder auf weitere Institute, die ihr Kautionskonto eingestellt haben, nehmen wir über das Kontaktformular entgegen und prüfen sie nach unseren redaktionellen Richtlinien.


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