Textform

Veröffentlicht am Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Textform nach § 126b BGB bedeutet: eine lesbare Erklärung, in der die Person des Erklärenden genannt ist, auf einem dauerhaften Datenträger. Eine eigenhändige Unterschrift ist nicht erforderlich. Eine E-Mail genügt, ebenso ein Brief, eine SMS oder ein Messenger-Text. Ein Telefonat genügt nicht.

Dauerhaft ist ein Datenträger, wenn der Empfänger die Erklärung speichern kann, sodass sie für eine angemessene Zeit zugänglich bleibt, und sie sich unverändert wiedergeben lässt.

Die drei Formstufen im Vergleich

FormAnforderungTypisches Beispiel im Mietrecht
Textform (§ 126b BGB)lesbar, dauerhafter Datenträger, Erklärender genanntMieterhöhung, Betriebskostenabrechnung, Modernisierungsankündigung
Schriftform (§ 126 BGB)eigenhändige Unterschrift im OriginalKündigung des Wohnraummietverhältnisses, Mietvertrag über mehr als ein Jahr
Formfreikeine gesetzliche VorgabeMängelanzeige, Stundungsvereinbarung, Kautionsvereinbarung

Wo das Mietrecht welche Form verlangt

Textform genügt bei:

  • der Mieterhöhung zur ortsüblichen Vergleichsmiete (§ 558a BGB) und zur Indexmiete (§ 557b BGB),
  • der Modernisierungsankündigung (§ 555c BGB),
  • der Betriebskostenabrechnung (§ 556 Abs. 3 BGB),
  • der Anpassung von Betriebskostenvorauszahlungen (§ 560 Abs. 4 BGB),
  • der Rüge eines Verstoßes gegen die Mietpreisbremse (§ 556g Abs. 2 BGB).

Schriftform ist zwingend bei der Kündigung des Wohnraummietverhältnisses (§ 568 Abs. 1 BGB), durch beide Seiten. Eine Kündigung per E-Mail, Fax oder Messenger ist unwirksam, selbst wenn sie zugeht und der Empfänger sie liest. Haben mehrere Personen den Vertrag geschlossen, müssen auch alle unterschreiben. Die Schriftform gilt ebenso für Mietverträge mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr (§ 550 BGB); wird sie dort verfehlt, gilt der Vertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen und ist dann frühestens zum Ablauf eines Jahres nach Überlassung kündbar.

Formfrei sind Mängelanzeigen, Stundungs- und Ratenvereinbarungen sowie der Vorbehalt bei einer Zahlung. Aus Beweisgründen empfiehlt sich trotzdem immer die Textform.

Der praktische Punkt: Beweisbarkeit und Zugang

Formfrei heißt nicht folgenlos. Wer eine Mängelanzeige nur telefonisch macht, kann im Streit nicht belegen, ab wann der Vermieter Kenntnis hatte, und damit auch nicht, ab wann die Minderung greift.

Zugang und Form sind zwei Dinge: Auch eine formgerechte Erklärung wirkt erst, wenn sie dem Empfänger zugegangen ist. Bei der Betriebskostenabrechnung hängt davon sogar die Ausschlussfrist ab. Die Abrechnung muss dem Mieter spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums zugehen, sonst entfällt die Nachforderung (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB). Wer per E-Mail abrechnet, sollte den Versand nachweisen können.

Die Faustregel: Alles, was Fristen auslöst oder Rechte begründet, gehört mindestens in Textform.

Textform und Mietkaution

Die Kautionsvereinbarung selbst ist gesetzlich formfrei, steht aber in der Regel im Mietvertrag. Den Nachweis der getrennten Anlage nach § 551 Abs. 3 BGB kann der Mieter formfrei verlangen. Auch die Abrechnung der Kaution am Mietende bedarf keiner besonderen Form. Wegen der Beweislage ist es aber sinnvoll, Anforderung, Übergabe der Abtretungserklärung und Abrechnung schriftlich oder per E-Mail zu dokumentieren.

Häufige Fragen

Reicht eine E-Mail für eine Mieterhöhung?

Ja. Für das Mieterhöhungsverlangen nach § 558a BGB genügt Textform; eine Unterschrift ist nicht nötig. Die Person des Erklärenden muss aber genannt sein, und die Mail muss dem Mieter tatsächlich zugehen.

Kann ich meine Wohnung per E-Mail kündigen?

Nein. Die Kündigung eines Wohnraummietverhältnisses bedarf nach § 568 Abs. 1 BGB der schriftlichen Form, also eines Briefs mit eigenhändiger Unterschrift im Original. Eine einfache E-Mail, ein Messenger-Text, ein Fax oder ein eingescanntes PDF genügen nicht.

Genügt eine qualifizierte elektronische Signatur für die Kündigung?

Das Gesetz schließt die elektronische Form bei der Wohnraumkündigung nicht ausdrücklich aus (§ 126 Abs. 3 BGB). In der Praxis ist sie kaum verbreitet und mit Zugangsrisiken verbunden. Wer sicher gehen will, kündigt per unterschriebenem Brief.

Genügt ein Link zu einem Portal als Textform?

Nur wenn der Empfänger das Dokument dort tatsächlich herunterlädt oder speichert. Bloß bereitgestellte Inhalte auf einer Website gelten nach der Rechtsprechung nicht als zugegangen in Textform.

Darf der Mietvertrag für Mängelanzeigen die Schriftform verlangen?

In vorformulierten Klauseln ist das bei Verbraucherverträgen, die ab dem 1. Januar 2025 geschlossen wurden, unwirksam, wenn damit eine strengere Form als die Textform verlangt wird (§ 309 Nr. 13 BGB). Bei älteren Verträgen galt die Grenze noch bei der Schriftform. Eine Mängelanzeige per E-Mail bleibt deshalb wirksam.


Quellen

Verwandte Begriffe

Weiterführende Themen