BGH, Urteil vom 30.09.2009 – VIII ZR 238/08
Keine gesetzliche Pflicht zur Ausstellung einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung
62 Gerichtsentscheidungen zum Mietrecht — von der Mietkaution bis zur Nebenkostenabrechnung. Jedes Urteil verweist auf den Ratgeberartikel, der es im Kontext einordnet.
Gerichtsurteile zeigen, wie Vorschriften wie § 551 BGB (Mietkaution) oder § 556 BGB (Betriebskosten) in der Praxis ausgelegt werden. Die Sammlung ist nach Themen geordnet; unter jedem Urteil steht, in welchem Ratgeberartikel es im Zusammenhang erklärt wird. Die meisten Entscheidungen stammen vom Bundesgerichtshof (BGH), dazu kommen einzelne Urteile von Land- und Amtsgerichten.
Wichtig: Ein Urteil entscheidet immer einen Einzelfall. Ob es auf Ihren Fall übertragbar ist, hängt von Mietvertrag und Umständen ab. Die Kurzfassungen hier sind eine Orientierung, keine Rechtsberatung — bei einem konkreten Streit helfen ein Mieterverein, ein Vermieterverband oder eine Anwältin bzw. ein Anwalt.
Was Vermieter von Mietinteressenten verlangen dürfen und was Mieter beim Auszug bescheinigt bekommen müssen. Die Entscheidung hier klärt, ob es einen Anspruch auf eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung gibt.
Keine gesetzliche Pflicht zur Ausstellung einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung
Wie weit Klauseln im Formularmietvertrag gehen dürfen, wenn es um Haustiere geht. Der BGH hat pauschale Verbote geprüft.
Generelles Hunde-/Katzenverbot in Formularmietvertrag unwirksam
Pflichten von Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften, hier am Beispiel der Fremdgeldkonto-Pflicht und der Frage, wann sie zur Abberufung eines Verwalters reicht.
Verstoß gegen Fremdgeldkonto-Pflicht rechtfertigt allein keine Verwalterabberufung
Wo die Mietkaution liegen muss und was passiert, wenn der Vermieter sie nicht getrennt anlegt oder insolvent wird. Dazu gehört auch die Frage, wem Erträge einer als Kaution hinterlegten Geldanlage zustehen.
Wertsteigerung eines Aktiendepots als Kaution steht dem Mieter zu
Kein Zurückbehaltungsrecht des Mieters in der Vermieterinsolvenz
Zurückbehaltungsrecht des Mieters bis zur insolvenzfesten Kautionsanlage
Die Grenze von drei Monatsmieten nach § 551 BGB und ihre Ausnahmen: Wann Klauseln zur Zahlung wirksam sind und wie Bürgschaften bei der Kappungsgrenze zählen.
Zusätzliche, über §551 Abs.4 hinausgehende Bürgschaft unwirksam
§551-Kappungsgrenze gilt nicht bei Bürgschaft Dritter zur Wohnungsbeschaffung
Klausel zu vollständiger Vorauszahlung nicht automatisch unwirksam
Klauseln zur Kautionszahlung von übrigen Vertragsklauseln abtrennbar
Wann der Vermieter auf die Kaution zugreifen, einen Teil zurückhalten oder mit Forderungen verrechnen darf — während der Mietzeit und nach dem Auszug. Der größte Themenblock der Sammlung.
Aufrechnung mit verjährten Schadensersatzforderungen trotz §215 BGB
Der Tod des Mieters in der Wohnung überschreitet den vertragsgemäßen Gebrauch nicht; die Kaution ist nach der Reinigung auszuzahlen
Nach Mietende darf auch wegen streitiger Forderungen verwertet werden
Wegen verjährter Betriebskosten darf Kaution nicht zurückgehalten werden
Mietrückstand darf nicht eigenmächtig mit Kaution verrechnet werden
Keine Verwertung der Kaution wegen streitiger Forderungen während Mietzeit
Mietrückstände dürfen während des laufenden Mietverhältnisses nicht mit der Kaution oder ihren Zinsen verrechnet werden
Angemessener Teilbetrag der Kaution darf bis zur Abrechnung zurückbehalten werden
Fristen, Formalien und Grenzen bei Kündigung und Räumung, von der Frage, ob der Samstag als Werktag zählt, bis zur Haftung bei eigenmächtiger Räumung.
Ordentliche Kündigung bleibt trotz Schonfristzahlung wirksam
Verletzte Anbietpflicht macht Kündigung nicht mehr automatisch unwirksam
Vermieter haftet für verlorene/beschädigte Mietersachen bei eigenmächtiger Räumung
Sonnabend zählt bei Kündigungsfrist als Werktag
Ab wann Mängel die Miete mindern und auf welcher Grundlage gerechnet wird. Ein Schwerpunkt sind sommerliche Hitze in Dachgeschosswohnungen — mit teils gegensätzlichen Ergebnissen.
Keine Minderung im Passivhaus, Mieter kannte Lüftungskonzept
20 % Mietminderung bei Wohnung über 30 °C wegen mangelhaftem Wärmeschutz
Minderungsbasis ist Bruttomiete inkl. Nebenkostenvorauszahlungen
Keine Minderung für Maisonette unter Dach trotz >30 °C
Dachgeschoss bis 46 °C: Gesundheitsgefährdung, fristlose Kündigung möglich
Wann eine Miete unzulässig hoch ist und welche Voraussetzungen für eine Mietpreisüberhöhung nach § 5 WiStG vorliegen müssen.
Verurteilung wegen Mietpreisüberhöhung, allgemeine Wohnungsknappheit reichte als Beweis
Mangellage muss für Vertragsschluss im Einzelfall ursächlich sein (§ 5 WiStG)
Wann die Miete als rechtzeitig gezahlt gilt und was das für Verzug und Kündigung bedeutet.
Rechtzeitig gezahlt ist, wenn der Überweisungsauftrag bis zum dritten Werktag erteilt wird; eine Eingangsklausel im Formularvertrag ist unwirksam
Welche Maßnahmen des Vermieters Mieter dulden müssen, hier am Beispiel des Einbaus von Rauchwarnmeldern.
Mieter müssen den Einbau von Rauchwarnmeldern durch den Vermieter dulden, auch wenn sie bereits eigene Melder angebracht haben
Formale Anforderungen an die Abrechnung, umlagefähige Kosten und die Rechte des Mieters bei Nachzahlungen, etwa das Recht auf Belegeinsicht.
Miete für Rauchwarnmelder sind verkappte Anschaffungskosten, nicht umlagefähig
Der Mieter darf regelmäßig die Originalbelege einsehen, ohne ein besonderes Interesse darlegen zu müssen; Kopien genügen nur ausnahmsweise
Das Recht auf Belegeinsicht erstreckt sich auch auf die Zahlungsbelege; bis zur Einsicht darf der Mieter die Nachzahlung zurückhalten
Vier formelle Mindestangaben für ordnungsgemäße Nebenkostenabrechnung
Zurückbehaltungsrecht an Nachzahlung bis zur Belegeinsicht
Inhaltlich richtige Abrechnung ist Voraussetzung für Erhöhung
Pauschaler 10 %-Sicherheitszuschlag auf Vorauszahlung unzulässig
Leerstandsrisiko trägt der Vermieter, keine Herausrechnung aus Verteilerschlüssel
Kosten der Dachrinnenreinigung sind als sonstige Betriebskosten umlagefähig, wenn sie vereinbart sind und regelmäßig anfallen
Wer im Winter räumen und streuen muss, zu welchen Zeiten und wie weit die Pflicht reicht — und wer haftet, wenn ein beauftragter Winterdienst Fehler macht.
Vermieter haftet für Fehler des beauftragten Winterdienstes
Vermieter muss Gehweg jenseits der Grundstücksgrenze nicht räumen
Winterdienst als Betriebskosten umlagefähig, auch für öffentlichen Gehweg
Streupflicht erst bei allgemeiner Glättebildung, nicht bei vereinzelten Stellen
WEG-Mehrheitsbeschluss zur Räumpflicht-Übertragung an Einzeleigentümer nichtig
Streupflicht gilt werktags 7-20 Uhr, sonn-/feiertags 9-20 Uhr
Renovierungsklauseln im Mietvertrag, Farbwahl in der Wohnung und Kosten bei der Rückgabe. Viele der Klauseln, die früher üblich waren, hat der BGH für unwirksam erklärt.
Schönheitsreparaturklausel bei unrenoviert übergebener Wohnung unwirksam
Quotenabgeltungsklauseln in Formularmietverträgen generell unwirksam
Schließanlagenkosten nur bei tatsächlichem Austausch wegen Missbrauchsgefahr
Farbig gestrichene Wände müssen bei Rückgabe neutral gestrichen werden
Ablösepreis für Einbauten darf Zeitwert um max. 50 % übersteigen
Starre Renovierungsfristen in Klauseln unwirksam
Wann Kameras und Kameraattrappen im Wohnumfeld Rechte anderer verletzen können.
Auch eine Kameraattrappe kann einen Unterlassungsanspruch begründen, wenn Dritte objektiv ernsthaft mit Überwachung rechnen müssen
Zustimmung des Vermieters beim Mieterwechsel in der Wohngemeinschaft und die Grenzen gewinnorientierter Untervermietung.
Gewinnorientierte Untervermietung ist schuldhafte Pflichtverletzung
Mieterwechsel in WG erfordert Zustimmung des Vermieters
Zustimmung zum Mieterwechsel bei WG
Verweigert der in der Wohnung gebliebene Mieter grundlos die Mitwirkung an der Entlassung des ausgezogenen Mitmieters, wird er nach Treu und Glauben so behandelt, als hätte er zugestimmt
Welche Wohnfläche gilt — die vereinbarte oder die tatsächliche — und wie sich Abweichungen auf Mangelrechte und Mieterhöhung auswirken.
Wohnflächenabweichung – Folgeentscheidung zur Berechnungsmethode
Bei Mieterhöhung nach §558 zählt tatsächliche, nicht vereinbarte Fläche
Wohnflächenabweichung – Grundsatzentscheidung zur Berechnungsmethode
Mieterfinanzierte Ausstattung bleibt bei Vergleichsmiete außer Betracht
>10 % Flächenabweichung nach unten = Mangel der Mietsache
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