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Junge Mieter unter Druck: Deutschland auf Platz 3 bei den Wohnkosten

Symbolbild · KI-generiert

Junge Menschen gehen in Europa auf die Straße, und Wohnkosten sind eines der Themen. Was sagt die amtliche Statistik dazu? Die neuesten Eurostat-Daten für 2025 zeigen: In Deutschland ist die Belastung der 15- bis 29-Jährigen höher als in fast jedem anderen EU-Land. Und in den Ländern, in denen am lautesten über Mieten gestritten wird, täuscht die Zahl.


Der Anlass

Am 31. Oktober 2026 ruft das Bündnis „Gen Z regelt“ laut t-online in mehr als 30 deutschen Städten zu bundesweiten Protesten auf. Genannt werden marode Schulen, veraltete Ausstattung an Hochschulen, die Wehrpflicht und Wohnungsnot. Der Bericht verweist außerdem auf Proteste gegen steigende Immobilienpreise und Mieten in Spanien.

Dieser Artikel bewertet die Proteste und ihre Forderungen nicht. Er prüft eine einzige, überprüfbare Frage: Was sagt die amtliche europäische Statistik darüber, wie stark Wohnkosten junge Menschen belasten?

Was gemessen wird

Die Zahlen stammen aus der europäischen Haushaltsbefragung EU-SILC, die Eurostat veröffentlicht. Der Indikator heißt Wohnkostenüberlastungsquote (englisch: housing cost overburden rate). Er gibt den Anteil der Personen an, die in einem Haushalt leben, in dem die gesamten Wohnkosten mehr als 40 % des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachen, jeweils nach Abzug von Wohngeld und ähnlichen Leistungen. Zu den Wohnkosten zählen bei Mietern die Miete samt Nebenkosten, bei Eigentümern unter anderem Kreditzinsen und Instandhaltung.

Zwei Einschränkungen gleich vorweg:

  • Die Altersgruppe ist 15 bis 29 Jahre. Eine fertige Reihe für 18 bis 29 gibt es bei Eurostat nicht. Für Deutschland nennen wir weiter unten die Teilgruppen 18 bis 24 und 25 bis 29.
  • Gemessen wird der Haushalt, nicht die Person. Wer bei den Eltern wohnt, wird mit den Wohnkosten und dem Einkommen des Elternhaushalts erfasst.

Das Länder-Ranking 2025

Wohnkostenüberlastung der 15- bis 29-Jährigen in der EU, 2025 (Balken) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (Strich)
Balkendiagramm der Wohnkostenüberlastung junger Menschen in den EU-Staaten 2025 Balkendiagramm der Wohnkostenüberlastungsquote der 15- bis 29-Jährigen in den 27 EU-Staaten 2025. Griechenland liegt mit 25,6 Prozent vorn, gefolgt von Dänemark mit 22,5 und Deutschland mit 14,3 Prozent. Am Ende stehen Slowenien mit 3,1, Zypern mit 2,3 und Kroatien mit 1,5 Prozent. Der EU-Durchschnitt der Jungen liegt bei 9,0 Prozent. Ein Strich markiert je Land den Wert der Gesamtbevölkerung. EU-27 Junge 9,0 % Griechenland 25,6 Dänemark 22,5 Deutschland 14,3 Schweden 13,7 Estland 12,7 Niederlande 12,7 Rumänien 10,0 Finnland 9,8 Luxemburg 9,0 Tschechien 8,4 Portugal 7,5 Frankreich 7,4 Spanien 7,2 Malta 7,0 Österreich 6,9 Bulgarien 6,9 Belgien 6,1 Lettland 5,9 Ungarn 5,7 Irland 5,7 Litauen 5,7 Italien 4,1 Polen 3,9 Slowakei 3,3 Slowenien 3,1 Zypern 2,3 Kroatien 1,5 Anteil der Personen in Haushalten, die 40 % oder mehr des verfügbaren Einkommens fürs Wohnen ausgeben (in Prozent) Strich = Gesamtbevölkerung des Landes. Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_lvho07a), Abruf 31.10.2026

Drei Beobachtungen aus dem Ranking:

  1. Deutschland liegt auf Rang 3, vor Schweden (13,7 %), Estland und den Niederlanden (je 12,7 %). Dänemark und Deutschland sind Länder, in denen ein großer Teil der Jungen früh in eigenen Haushalten lebt (siehe unten), und deshalb in der Statistik sichtbar.
  2. Griechenland ist der Sonderfall. Dort ist die Belastung der Jungen (25,6 %) nicht höher als die der Gesamtbevölkerung (26,4 %). Wohnkosten sind dort für alle Altersgruppen ein Problem.
  3. Am unteren Ende stehen Kroatien (1,5 %), Zypern (2,3 %) und Slowenien (3,1 %). In allen drei Ländern liegt die Quote der Jungen unter der Gesamtbevölkerung.

Zahlen aus dem Vorjahr: Wer im Netz Werte wie „9,7 % im EU-Schnitt“ oder „30,3 % in Griechenland“ liest, sieht noch die Daten für 2024. Die Werte für 2025 sind niedriger, in Dänemark zum Beispiel 22,5 statt 28,9 %. Solche Sprünge zeigen, dass die Befragungsdaten von Jahr zu Jahr schwanken. Einzelne Jahreswerte sollte man nicht überinterpretieren.

Deutschland: Die Jungen liegen dauerhaft über dem Durchschnitt

20212022202320242025
15 bis 29 Jahre13,7 %13,7 %15,2 %14,8 %14,3 %
Gesamtbevölkerung11,0 %11,9 %13,0 %12,0 %11,2 %
Abstand2,7 Pkt.1,8 Pkt.2,2 Pkt.2,8 Pkt.3,1 Pkt.

In jedem der fünf Jahre lag die Quote der Jungen über der Gesamtbevölkerung. 2025 ist der Abstand mit 3,1 Prozentpunkten der größte im Zeitraum. Innerhalb der Altersgruppe ist die Belastung bei den 18- bis 24-Jährigen mit 16,8 % am höchsten, bei den 25- bis 29-Jährigen liegt sie bei 14,1 %. Plausibel ist: Wer in Ausbildung oder Studium mit geringem Einkommen allein oder in kleinen Haushalten wohnt, hat wenig Spielraum, wenn Mieten und Nebenkosten steigen. Das lässt sich mit dieser Datenreihe aber nicht beweisen.

Seit 2021 zeigt die Reihe keinen klaren Abwärtstrend. Der Rückgang von 2024 auf 2025 um 0,5 Punkte liegt im Rahmen dessen, was eine Stichprobenbefragung ohnehin schwanken lässt.

Das Paradox: Wo protestiert wird, sieht die Statistik entspannt aus

Junge Menschen bei einer friedlichen Demonstration auf einer Straße mit Gründerzeit-Wohnhäusern, von hinten gesehenKI-generiert

In Spanien liegt die Quote der Jungen bei 7,2 %, genauso hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Portugal kommt auf 7,5 %, Frankreich auf 7,4 %, Italien sogar nur auf 4,1 %. Das passt nicht zu den Schlagzeilen. Die Auflösung steckt in der Konstruktion des Indikators, der nur Menschen erfasst, die tatsächlich eine Wohnung finanzieren oder in einem Haushalt mit Wohnkosten leben.

Anteil der 20- bis 29-Jährigen, die bei den Eltern leben oder in deren Haushaltseinkommen eingebunden sind, 2025
Balkendiagramm: Junge Erwachsene im Elternhaushalt nach Ländern 2025 Balkendiagramm des Anteils der 20- bis 29-Jährigen, die bei den Eltern leben oder in deren Haushaltseinkommen eingebunden sind, 2025. Kroatien 85,8 Prozent, Italien 82,5, Spanien 82,4, Portugal 71,9, Frankreich 48,0, Deutschland 36,1, Dänemark 14,9 und Finnland 13,5 Prozent. EU-Durchschnitt 58,1 Prozent. EU-27 58,1 % Kroatien 85,8 Italien 82,5 Spanien 82,4 Polen 78,2 Griechenland 76,2 Irland 74,5 Portugal 71,9 Belgien 65,7 Österreich 49,8 Frankreich 48,0 Niederlande 41,0 Deutschland 36,1 Schweden 26,0 Dänemark 14,9 Finnland 13,5 Anteil der 20- bis 29-Jährigen in Prozent (ausgewählte Länder) Quelle: Eurostat, EU-SILC (ilc_lvps08), Abruf 31.10.2026

In Spanien und Italien leben 82 % der 20- bis 29-Jährigen bei den Eltern oder sind in deren Haushaltseinkommen eingebunden, in Portugal 72 %, in Deutschland 36 % und in Dänemark 15 %. Wer dort in der Elternwohnung bleibt, weil eine eigene Wohnung unerschwinglich ist, zählt in der Quote als gering belastet.

LandBelastung 15 bis 29 J.20 bis 29 J. bei den ElternAuszugsalter (Jahre)Belastung Mieter am Markt (alle Altersgruppen)
Spanien7,2 %82,4 %30,226,8 %
Portugal7,5 %71,9 %28,827,2 %
Italien4,1 %82,5 %30,222,3 %
Frankreich7,4 %48,0 %23,818,7 %
Deutschland14,3 %36,1 %24,113,2 %
Niederlande12,7 %41,0 %23,439,5 %
Dänemark22,5 %14,9 %21,823,0 %
Griechenland25,6 %76,2 %30,926,0 %
Schweden13,7 %26,0 %23,118,4 %
Finnland9,8 %13,5 %21,312,3 %
EU-279,0 %58,1 %26,318,5 %

Die letzte Spalte betrachtet deshalb eine Gruppe, die sich nicht in den Elternhaushalt zurückziehen kann: Mieter zu Marktpreisen. Dort liegen Spanien (26,8 %) und Portugal (27,2 %) deutlich über Deutschland (13,2 %) und über dem EU-Schnitt (18,5 %). Die Zahl gilt für alle Altersgruppen und nicht für Junge allein. Sie zeigt aber, dass, wer in diesen Ländern am Markt mietet, überdurchschnittlich belastet ist. Dazu passt das späte Auszugsalter.

Dänemark ist das Gegenbeispiel: Wenig Elternhaushalt (15 %), niedriges Auszugsalter (21,8 Jahre), und trotzdem eine hohe Quote von 22,5 %. Dort ziehen junge Menschen früh allein aus, oft in die Stadt, und tragen die Wohnkosten mit geringem Einkommen selbst. Eine hohe Quote bedeutet also nicht automatisch, dass es dem Land schlechter geht. Sie kann auch Folge davon sein, dass Junge früh selbstständig wohnen.

Was die Statistik nicht zeigt

  • Wohnungssuche. Ob jemand überhaupt eine Wohnung findet, misst der Indikator nicht. Wer erfolglos sucht, taucht nicht auf.
  • Qualität und Lage. Eine Wohnung kann günstig sein und trotzdem weit weg von Arbeit oder Hochschule liegen. Pendelkosten sind nicht eingerechnet.
  • Einmalige Kosten beim Einzug. Kaution, Umzug und Erstausstattung gehören nicht zu den laufenden Wohnkosten, belasten gerade junge Mieter aber stark.
  • Die Folgen der Wohnsituation. Ob jemand wegen hoher Mieten später Kinder bekommt, weniger spart oder in eine andere Stadt zieht, steht nicht in dieser Reihe.

Was das für junge Mieter in Deutschland bedeutet

Die Daten bestätigen, dass junge Mieter hierzulande überdurchschnittlich belastet sind, vor allem in der Phase zwischen 18 und 24. Konkrete Hebel:

  • Einkommensabhängige Hilfen prüfen. Studierende und Auszubildende haben je nach Situation Anspruch auf Unterstützung. Wie das Wohngeld grundsätzlich funktioniert, steht im Glossar: Wohngeld.
  • Die Kaution nicht auf einmal stemmen. Mieter dürfen die Mietsicherheit nach § 551 BGB in drei gleichen Monatsraten zahlen. Welche Optionen es sonst gibt, steht in Ratenzahlung Mietkaution: Welche Optionen gibt es? und Mietkaution für Studenten.
  • Elternbürgschaft statt Bargeld. Wenn der Vermieter es akzeptiert, können die Eltern für die Kaution bürgen, sodass keine Summe angespart oder vorgestreckt werden muss. Mehr dazu im Abschnitt unten.
  • WG als Kostenbremse. Gemeinsam gemietet lässt sich vieles teilen, auch die Kaution: WG-Kautionskonto: Mehrere Mieter, ein Konto.
  • Die eigene Grenze kennen. Wie viel Miete zum eigenen Einkommen passt, rechnet Die richtige Mietentscheidung durch.

Die Elternbürgschaft: Kaution ohne Bargeld

Gerade in Ländern, in denen junge Erwachsene lange im Elternhaus bleiben, ist die Familie die erste finanzielle Absicherung. Auch beim Einzug in Deutschland kommt sie oft zum Einsatz: Statt die Kaution in bar zu hinterlegen, stellen die Eltern eine Mietbürgschaft. Der Vermieter hat damit eine Sicherheit, und das Kind muss die Summe nicht auf einmal aufbringen.

Wichtig dabei:

  • Der Vermieter muss zustimmen. Ob eine Bürgschaft statt der Barkaution akzeptiert wird, ist eine Frage der Vereinbarung im Mietvertrag.
  • Die Bürgschaft muss schriftlich erklärt werden (§ 766 BGB) und eindeutig formuliert sein.
  • Die Eltern haften. Je nach Formulierung für mehr als nur die Kaution, etwa für Mietrückstände. Die Haftung lässt sich begrenzen, wenn die Erklärung es vorsieht.

Wie weit die Haftung reicht und was in der Erklärung stehen sollte, erklärt der Artikel Mietbürgschaft der Eltern: Haftung, Grenzen und was in der Erklärung stehen muss. Eine kostenlose Vorlage für die Bürgschaftserklärung gibt es auf mietkautionsbuergschaft.info.

Was das für Vermieter und Eigentümer bedeutet

Wer an junge Mieter vermietet, trifft auf Haushalte mit geringem Einkommen und wenig Rücklagen. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Grund für klare Regeln: nachvollziehbare Einkommensnachweise, eine transparente Kautionsvereinbarung und die Zulassung der gesetzlichen Ratenzahlung.

Wie belastbar sind die Zahlen?

  • Stichprobe. EU-SILC ist eine Befragung. Bei kleinen Teilgruppen wie 15- bis 29-Jährigen in einem kleinen Land schwanken die Werte spürbar. Malta zum Beispiel springt bei den 25- bis 29-Jährigen von 4,0 % (2024) auf 11,7 % (2025).
  • Vorläufige Werte. Die 2025er Zahlen wurden am 31.10.2026 abgerufen. Eurostat kann Werte nachträglich korrigieren. Das Vorjahr 2024 ist teils anders ausgewiesen als in älteren Berichten.
  • Altersgruppen. 15 bis 29 Jahre umfasst auch 15- bis 17-Jährige, die fast immer bei den Eltern wohnen und die Quote dämpfen. Die Teilgruppen 18 bis 24 und 25 bis 29 sind aussagekräftiger für die Frage, wer eine eigene Wohnung bezahlt.
  • Eltern-Quote. Die Eurostat-Kennzahl umfasst Personen, die bei den Eltern leben oder zum Haushaltseinkommen beitragen bzw. davon profitieren. Das ist etwas weiter gefasst als „wohnt im Elternhaus“.
  • Mieter-Kennzahl. Die Belastung der Marktmieter ist nicht nach Alter ausgewiesen und gilt für alle Altersgruppen.

Häufige Fragen

Wie stark sind junge Menschen in Deutschland durch Wohnkosten belastet?

Nach Eurostat (EU-SILC 2025) lebten 14,3 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Deutschland in Haushalten, die 40 Prozent oder mehr ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen ausgeben. In der Gesamtbevölkerung waren es 11,2 Prozent, im EU-Durchschnitt bei den Jungen 9,0 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt der Wert in Deutschland bei 16,8 Prozent.

In welchen EU-Ländern ist die Wohnkostenbelastung der Jungen am höchsten?

2025 in Griechenland (25,6 Prozent), Dänemark (22,5 Prozent) und Deutschland (14,3 Prozent). Schweden (13,7), Estland und die Niederlande (je 12,7) folgen. Am niedrigsten sind die Werte in Kroatien (1,5), Zypern (2,3) und Slowenien (3,1).

Warum zeigen Spanien, Portugal und Italien so niedrige Werte, obwohl dort protestiert wird?

Der Indikator misst nur Menschen, die in Haushalten mit Wohnkosten leben. In Spanien und Italien wohnen rund 82 Prozent der 20- bis 29-Jährigen bei den Eltern oder sind in deren Haushaltseinkommen eingebunden, in Portugal rund 72 Prozent. Wer sich keine eigene Wohnung leisten kann und im Elternhaus bleibt, erscheint in der Statistik als gering belastet. Aussagekräftiger ist dort der Blick auf Mieter am Markt: Spanien 26,8 und Portugal 27,2 Prozent (alle Altersgruppen).

Wie wird die Wohnkostenüberlastungsquote berechnet?

Sie gibt den Anteil der Bevölkerung an, der in Haushalten lebt, in denen die gesamten Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachen, jeweils nach Abzug von Wohngeld und ähnlichen Leistungen. Datengrundlage ist die EU-weite Haushaltsbefragung EU-SILC.

Gibt es Daten für genau 18- bis 29-Jährige?

Nicht als fertige Reihe. Eurostat weist die Überlastungsquote unter anderem für 15 bis 29, 18 bis 24 und 25 bis 29 Jahre aus. Dieser Artikel nutzt 15 bis 29 für den Länderüberblick und nennt für Deutschland zusätzlich die beiden Teilgruppen.


Quellen


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