Wohnfläche pro Kopf: 49,5 Quadratmeter — und trotzdem fehlen Wohnungen

Deutschland hat seit 2015 rund 2,5 Millionen Wohnungen dazugewonnen — und trotzdem ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung schwieriger geworden. Die amtliche Wohnungsfortschreibung zeigt, warum: Ein großer Teil des Zuwachses ist gar nicht bei zusätzlichen Haushalten angekommen.
Die Zahlen zum Jahresende 2025
Das Statistische Bundesamt hat am 16. Juli 2026 die Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestandes für das Jahresende 2025 veröffentlicht. Die Eckwerte im Zehnjahresvergleich:
| Kennzahl | Ende 2015 | Ende 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Wohnungen | 41,5 Mio. | 44,0 Mio. | +6,0 % (+2,5 Mio.) |
| Gesamtwohnfläche | rund 3,8 Mrd. m² | 4,1 Mrd. m² | +8,9 % |
| Wohnfläche je Wohnung | 91,6 m² | 94,0 m² | +2,6 % (+2,4 m²) |
| Wohnfläche pro Kopf | 46,2 m² | 49,5 m² | +7,1 % (+3,3 m²) |
| Personen je Wohnung | knapp 2,0 | gut 1,9 | rückläufig |
Der Zuwachs von 196.000 Wohnungen allein im Jahr 2025 entspricht 0,4 Prozent — für sich genommen eine unauffällige Zahl. Interessant wird sie erst im Verhältnis zu den übrigen Werten.
Die Grafik darf mit Quellenangabe und Link auf diese Seite frei verwendet werden.
Der eigentliche Befund: Die Fläche wächst schneller als der Bestand
Die entscheidende Beobachtung steckt in den Prozentzahlen: Die Gesamtwohnfläche legte mit 8,9 Prozent deutlich stärker zu als die Zahl der Wohnungen mit 6,0 Prozent. Und die Wohnfläche pro Kopf stieg mit 7,1 Prozent fast dreimal so stark wie die Wohnfläche je Wohnung mit 2,6 Prozent.
Übersetzt heißt das: Der Wohnungsbestand ist nicht nur größer geworden, sondern jede einzelne Person beansprucht heute spürbar mehr Fläche als vor zehn Jahren. Das ist keine Randnotiz, sondern der quantitativ bedeutsamste Teil der Entwicklung — wie eine überschlägige Gegenrechnung zeigt.
Eine Überschlagsrechnung: Wohin der Neubau geflossen ist
Ende 2025 lebten in Deutschland rund 83 Millionen Menschen auf 4,1 Milliarden Quadratmetern Wohnfläche. Hätte jede Person heute noch genauso viel Fläche wie 2015 — also 46,2 statt 49,5 Quadratmeter —, wären dafür rund 3,83 Milliarden Quadratmeter nötig. Tatsächlich vorhanden sind 4,1 Milliarden.
Die Differenz von rund 270 Millionen Quadratmetern ist der Flächenzuwachs, der nicht auf mehr Menschen zurückgeht, sondern allein auf den gestiegenen Flächenverbrauch pro Kopf. Bei einer Durchschnittswohnung von 94,0 Quadratmetern entspricht das der Fläche von etwa 2,9 Millionen Wohnungen — also mehr als dem gesamten Netto-Zuwachs von 2,5 Millionen Wohnungen im selben Zeitraum.
Die Rechnung ist bewusst grob und arbeitet mit gerundeten amtlichen Werten; sie taugt nicht als Prognose, sondern als Größenordnung. Aber die Richtung ist eindeutig: Rechnerisch ist der komplette Neubau des Jahrzehnts in den höheren Pro-Kopf-Verbrauch geflossen, statt zusätzliche Haushalte zu versorgen. Wer sich wundert, warum Millionen neuer Wohnungen an der Wohnungsnot in den Ballungsräumen wenig geändert haben, findet hier einen wesentlichen Teil der Antwort.
Gegenprobe: Was der Mieterbund zur selben Frage sagt
Eine eigene Rechnung ist nur so viel wert wie ihre Bestätigung aus unabhängiger Quelle. Der Deutsche Mieterbund hat am 1. September 2026 seinen Mietenreport 2026 vorgelegt und beziffert die Lücke von der anderen Seite: In Deutschland fehlten Ende 2024 rund 1,4 Millionen Wohnungen. Die Zahl stammt aus einer Berechnung des Pestel-Instituts für das Verbändebündnis „Soziales Wohnen”; selbst wenn ein erheblicher Teil des langfristigen Leerstands wieder aktiviert würde, bliebe ein Defizit von rund 790.000 Wohnungen. Betroffen sind vor allem die wirtschaftsstarken Ballungsräume Westdeutschlands.
Beide Zahlen nebeneinander ergeben ein stimmiges Bild:
| Größe | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Fehlende Wohnungen (Ende 2024) | 1,4 Mio. | Pestel-Institut / Mieterbund |
| Netto-Zuwachs an Wohnungen 2015–2025 | 2,5 Mio. | Wohnungsfortschreibung |
| Rechnerisch im höheren Pro-Kopf-Verbrauch gebunden | rund 2,9 Mio. | eigene Überschlagsrechnung |
Der Neubau des Jahrzehnts hätte die Lücke also rechnerisch fast zweimal schließen können — er ist nur nicht dort angekommen. Der Mieterbund formuliert denselben Befund aus seiner Perspektive: Die Daten zeigten, dass die Krise „nicht allein auf einem generellen Mangel an Wohnfläche beruht, sondern vor allem auf deren sozial und regional ungleicher Verfügbarkeit”.
Das ist der entscheidende Punkt und zugleich die Grenze beider Zahlen: Wohnfläche ist im Bundesschnitt reichlich vorhanden, sie liegt nur in den falschen Wohnungen, in den falschen Regionen und bei den falschen Haushalten. Wie ungleich sie verteilt ist, zeigt der Report an den Folgen — 29 Prozent der Mieter sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr zahlen zu können, und mehr als jeder vierte könnte die eigene Wohnung nach einem Einkommensverlust höchstens drei Monate halten. Der Bundesland-Vergleich weiter unten macht die regionale Seite derselben Ungleichheit sichtbar.
Warum der Flächenverbrauch pro Kopf steigt
Der Wert ist keine Konsumentscheidung, sondern in erster Linie eine demografische Größe. Drei Mechanismen wirken zusammen:
- Kleinere Haushalte. Ende 2025 kamen auf eine Wohnung gut 1,9 Personen, zehn Jahre zuvor knapp 2,0. Jeder Ein-Personen-Haushalt bindet Küche, Bad und Flur exklusiv — Flächen, die sich in einem Mehrpersonenhaushalt auf mehrere Köpfe verteilen.
- Der Remanenzeffekt. Nach dem Auszug der Kinder oder dem Tod eines Partners bleiben viele Haushalte in der bisherigen, jetzt zu großen Wohnung. Ein Umzug scheitert an Umzugskosten, an einer Bestandsmiete, die deutlich unter der Neuvertragsmiete liegt, an der Bindung ans Quartier — und daran, dass kleine Wohnungen in guter Lage oft teurer sind als die große Altbauwohnung, die man aufgeben würde.
- Neubau ist großzügiger als Bestand. Neu gebaute Wohnungen liegen im Schnitt über der Bestandsfläche und ziehen den Durchschnitt nach oben — sichtbar an der um 2,4 Quadratmeter gewachsenen Durchschnittswohnung.
Der zweite Punkt ist der politisch heikelste, weil er sich mit Bauen allein nicht lösen lässt: Solange ein Wohnungstausch für den abgebenden Haushalt finanziell ein Verlustgeschäft ist, wird die vorhandene Fläche nicht anders verteilt.
Der Bundesland-Vergleich: 16 Quadratmeter Unterschied pro Kopf
Der Bundesdurchschnitt verdeckt eine erhebliche Spreizung. Die folgenden Werte stammen aus derselben Fortschreibung wie die 49,5 Quadratmeter oben (Tabelle 31231-0010) und sind deshalb direkt mit ihnen vergleichbar.
Zwischen dem Saarland mit 56,3 und Berlin mit 40,5 Quadratmetern je Einwohner liegen 15,8 Quadratmeter oder rund 39 Prozent. Das Muster ist eindeutig und hat wenig mit Wohlstand zu tun: Vorne stehen Flächenländer mit vielen Ein- und Zweifamilienhäusern, hinten die drei Stadtstaaten mit ihrem hohen Geschosswohnungsanteil. Die Wohnform erklärt den Flächenverbrauch besser als das Einkommen — sonst müsste Baden-Württemberg vor Sachsen-Anhalt liegen, und das tut es nicht.
| Bundesland | m² je Einwohner | m² je Wohnung | Wohnungen je 1.000 Einw. | Bruttokaltmiete €/m² | Mietbelastung | Eigentumsquote |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Saarland | 56,3 | 106,6 | 528 | 6,70 | 29,9 % | 59,7 % |
| Rheinland-Pfalz | 56,2 | 106,9 | 525 | 7,80 | 28,6 % | 50,9 % |
| Niedersachsen | 54,6 | 104,1 | 525 | 7,70 | 28,1 % | 49,0 % |
| Bayern | 51,5 | 99,9 | 515 | 10,00 | 28,0 % | 45,8 % |
| Schleswig-Holstein | 50,4 | 95,1 | 530 | 8,80 | 30,3 % | 45,7 % |
| Sachsen-Anhalt | 50,3 | 84,0 | 599 | 6,70 | 24,4 % | 42,4 % |
| Hessen | 49,7 | 97,7 | 508 | 9,30 | 29,6 % | 42,5 % |
| Deutschland | 49,5 | 94,0 | — | 8,60 | 27,9 % | 41,9 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 49,2 | 82,8 | 593 | 7,40 | 25,9 % | 38,0 % |
| Thüringen | 49,0 | 86,6 | 566 | 7,00 | 24,3 % | 42,1 % |
| Baden-Württemberg | 49,0 | 98,5 | 497 | 9,40 | 28,1 % | 48,5 % |
| Brandenburg | 48,4 | 88,5 | 547 | 7,70 | 25,2 % | 44,3 % |
| Nordrhein-Westfalen | 47,8 | 92,5 | 517 | 8,30 | 29,0 % | 38,6 % |
| Sachsen | 46,4 | 79,2 | 586 | 7,10 | 23,3 % | 34,5 % |
| Bremen | 42,8 | 81,8 | 524 | 8,60 | 30,8 % | 32,0 % |
| Hamburg | 41,1 | 76,0 | 541 | 10,90 | 30,2 % | 20,3 % |
| Berlin | 40,5 | 72,5 | 559 | 9,60 | 27,4 % | 15,9 % |
Die ersten drei Spalten stammen aus der Wohnungsfortschreibung zum 31.12.2025 (Tabelle 31231-0010), die letzten drei aus der Mikrozensus-Zusatzerhebung Wohnen 2022 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die Erhebungsjahre und Methodiken unterscheiden sich, die Spalten sind deshalb nebeneinander zu lesen, nicht miteinander zu verrechnen.
Vier Beobachtungen, die in der Debatte selten zusammen auftauchen:
- Viele Wohnungen bedeuten nicht viel Fläche. Sachsen-Anhalt hat mit 599 Wohnungen je 1.000 Einwohner den mit Abstand größten Bestand pro Kopf — und trotzdem nur 84,0 m² je Wohnung. Baden-Württemberg liegt beim Bestand mit 497 am Ende, bei der Wohnungsgröße mit 98,5 m² weit vorn. Beide landen bei der Fläche pro Kopf auf praktisch demselben Wert. Der ostdeutsche Wohnungsüberhang besteht aus kleinen Einheiten.
- Weniger Fläche bedeutet nicht weniger Belastung. Bremen liegt mit 42,8 m² je Einwohner deutlich unter dem Bundesschnitt, trägt aber mit 30,8 Prozent die höchste Mietbelastung aller Länder. Sachsen kommt mit 46,4 m² auf die niedrigste (23,3 Prozent). Der Quadratmeterpreis entscheidet, nicht der Verbrauch.
- Die Stadtstaaten sind der Gegenentwurf. Berlin und Hamburg haben die kleinsten Wohnungen und die geringste Fläche pro Kopf, gleichzeitig hohe Quadratmeterpreise. Genau dort wirkt der bundesweite Flächenzuwachs am wenigsten — und genau dort ist die Nachfrage am größten.
- Die Kaution folgt dem Quadratmeterpreis, nicht der Fläche. Die Durchschnittswohnung in Hamburg misst 76,0 m², die im Saarland 106,6 m². Bei 10,90 € gegen 6,70 € Bruttokaltmiete je Quadratmeter kostet die deutlich kleinere Hamburger Wohnung trotzdem mehr. Wer aus einem Flächenland in einen Stadtstaat zieht, zahlt also für weniger Wohnung mehr Miete und damit eine höhere Kaution. Die Höchstgrenze bemisst sich dabei nach der Netto-, nicht nach der Bruttokaltmiete — die in den Werten oben enthaltenen kalten Betriebskosten bleiben außen vor. Für den eigenen Vertrag rechnet der Mietkautionsrechner.
Eine Ebene tiefer: 400 Kreise, Faktor 1,8
Auch die Länderwerte sind noch Mittelwerte über sehr unterschiedliche Räume. Die Fortschreibung reicht bis auf die Kreisebene (Tabelle 31231-0020), und dort wird die Spreizung fast doppelt so groß: Zwischen dem Landkreis Kaiserslautern mit 70,1 und Offenbach am Main mit 38,7 Quadratmetern je Einwohner liegt der Faktor 1,81. Auf Bundeslandebene sind es nur 1,39. Der Median aller 400 Kreise liegt bei 51,7 Quadratmetern.
| Gruppe | Kreise | Median m² je Einwohner | Median m² je Wohnung | Median Wohnungen je 1.000 Einw. |
|---|---|---|---|---|
| Kreisfreie Städte | 106 | 44,6 | 82,3 | 552 |
| Landkreise | 294 | 53,6 | 106,7 | 509 |
| Ostdeutschland inkl. Berlin | 76 | 49,9 | — | — |
| Westdeutschland | 324 | 52,7 | — | — |
Zwei Dinge fallen daran auf. Erstens: Die Trennlinie verläuft zwischen Stadt und Land, nicht zwischen Ost und West. Zwischen kreisfreien Städten und Landkreisen liegen neun Quadratmeter je Kopf, zwischen Ost und West nicht einmal drei. Die zehn Kreise mit der größten Fläche pro Kopf liegen fast alle in Rheinland-Pfalz, der Eifel und dem Saarland — dünn besiedelte Flächenkreise mit hohem Einfamilienhausanteil. Am unteren Ende stehen Offenbach, Freiburg, Gelsenkirchen, Frankfurt und Kiel, also Städte quer durch alle Preisklassen.
Zweitens, und das ist der eigentliche Befund: Städte haben nicht zu wenige Wohnungen, sondern zu kleine. Je 1.000 Einwohner kommen in kreisfreien Städten sogar mehr Wohnungen (Median 552) als in Landkreisen (509) — sie messen nur im Mittel 82,3 statt 106,7 Quadratmeter. Rechnerisch zeigt sich das in den Korrelationen über alle 400 Kreise: Die Fläche pro Kopf hängt mit +0,84 sehr eng an der Wohnungsgröße, mit der Wohnungsdichte dagegen praktisch gar nicht (−0,15). Wo viel Fläche pro Kopf verfügbar ist, liegt das an großen Wohnungen — nicht an vielen.
Für die Wohnungspolitik heißt das: Die verbreitete Kurzformel „in den Städten fehlen Wohnungen” trifft die Sache nur halb. Es fehlen dort vor allem Wohnungen im passenden Zuschnitt — und die zusätzliche Fläche der vergangenen zehn Jahre ist überwiegend dort entstanden, wo ohnehin schon großzügig gewohnt wurde.
Vom Bundesland zur Stadt
Für die Kautionsfrage zählt am Ende der Ort, nicht das Land. Für die folgenden Städte gibt es eigene Seiten mit dem örtlichen Mietniveau, der daraus abgeleiteten Kautionshöhe und den Instituten im Umkreis — hier mit den Kreiswerten aus derselben Fortschreibung:
| Stadt | m² je Einwohner | m² je Wohnung | Wohnungen je 1.000 Einw. | Wohnungen insgesamt |
|---|---|---|---|---|
| Bonn | 46,1 | 82,7 | 558 | 180.459 |
| Bielefeld | 45,3 | 85,1 | 532 | 176.406 |
| Düsseldorf | 44,6 | 77,4 | 576 | 356.848 |
| Köln | 43,6 | 77,4 | 564 | 578.336 |
| Essen | 43,5 | 78,3 | 555 | 318.565 |
| Mainz | 43,5 | 78,3 | 555 | 124.223 |
| Dortmund | 42,9 | 79,5 | 540 | 324.330 |
| Nürnberg | 42,2 | 77,1 | 547 | 290.526 |
| Hamburg | 41,1 | 76,0 | 541 | 1.010.584 |
| Stuttgart | 41,0 | 78,7 | 522 | 317.994 |
| München | 40,9 | 72,7 | 563 | 846.868 |
| Berlin | 40,5 | 72,5 | 559 | 2.069.432 |
| Frankfurt am Main | 39,9 | 73,1 | 546 | 415.359 |
| Hannover* | 49,5 | 90,4 | 547 | 624.321 |
* Für Hannover weist die Statistik keinen eigenen Stadtkreis aus, sondern nur die Region Hannover einschließlich des Umlands. Der Wert liegt deshalb systematisch über dem der übrigen Städte und ist mit ihnen nicht vergleichbar.
Bemerkenswert ist, wie eng die dreizehn echten Stadtkreise beieinanderliegen: Zwischen Frankfurt mit 39,9 und Bonn mit 46,1 Quadratmetern je Einwohner liegen gut sechs Quadratmeter — und darin steckt kein Preisgefälle. München und Berlin unterscheiden sich beim Flächenverbrauch pro Kopf um 0,4 Quadratmeter, beim Mietniveau um ein Vielfaches davon. Wer in einer Großstadt wohnt, wohnt auf ähnlich wenig Fläche, unabhängig davon, was der Quadratmeter kostet. Der Preis entscheidet nicht über die Fläche, sondern über die Belastung — und damit über die Kaution.
Für alle übrigen Orte listet die Übersicht der regionalen Mietkautionskonten auf, welche Sparkasse oder Volksbank vor Ort überhaupt noch ein Kautionskonto führt — was inzwischen keineswegs selbstverständlich ist.
Was das für Mieter bedeutet
Für die Wohnungssuche folgt daraus vor allem eines: Der Wettbewerb konzentriert sich auf kleine Wohnungen in gefragten Lagen, während die Statistik im Bundesdurchschnitt Entspannung suggeriert. Wer in dieser Situation eine Wohnung findet, zahlt beim Einzug typischerweise mehr, als er kalkuliert hat — die Kaution hängt an der Nettokaltmiete des neuen Vertrags, nicht an der bisherigen.
Die maximale Kaution beträgt nach § 551 Abs. 1 BGB drei Nettokaltmieten. Bei einer Durchschnittswohnung von 94 Quadratmetern und einer Kaltmiete von 9 € je Quadratmeter sind das rund 846 € Miete und damit bis zu 2.538 € Kaution. Die zulässige Höhe für den eigenen Fall rechnet der Mietkautionsrechner aus; ob die Gesamtbelastung zum Einkommen passt, zeigt der Mietbelastungsrechner. Zur Einordnung des Mietniveaus dient die Übersicht der durchschnittlichen Miete in Deutschland, zur Begriffsklärung der Glossareintrag zur Nettokaltmiete.
Ein praktischer Hinweis zur Fläche selbst: Ob die im Vertrag genannten Quadratmeter tatsächlich stimmen, lässt sich mit dem Wohnflächenrechner prüfen. Die Regeln dahinter — insbesondere die anteilige Anrechnung von Balkonen und Dachschrägen — erklärt der Ratgeber zur Wohnflächenberechnung. Das ist keine akademische Frage: Weicht die tatsächliche Fläche nach unten ab, betrifft das Miethöhe, Betriebskostenumlage und damit indirekt auch die zulässige Kaution.
Was das für Vermieter und Eigentümer bedeutet
Die Zahlen beschreiben einen Markt, in dem die Nachfrage nicht am Gesamtbestand hängt, sondern am Zuschnitt. Drei Schlussfolgerungen für die eigene Vermietungsentscheidung:
- Kleine Einheiten sind der Engpass. Die Zahl der Haushalte wächst schneller als die Bevölkerung. Wer eine große Wohnung neu zuschneiden kann, trifft auf die knappere Nachfrageseite.
- Die Fläche im Mietvertrag muss belastbar sein. Für Mieterhöhung und Betriebskostenabrechnung gilt nach der Rechtsprechung des BGH die tatsächliche Fläche — nicht mehr die vereinbarte. Eine unsaubere Flächenangabe kostet hier bares Geld.
- Bestandshalten wird rechnerisch attraktiver. Steigende Neuvertragsmieten bei gleichzeitig niedrigerer Fluktuation verschieben die Kalkulation; durchrechnen lässt sich das mit dem Mietrendite-Rechner und dem Cashflow-Rechner.
Wie belastbar sind die Zahlen?
Die Wohnungsfortschreibung ist eine amtliche Vollerhebung im Fortschreibungsverfahren: Basis ist die Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus 2022 vom 15. Mai 2022, fortgeschrieben mit Baufertigstellungen und Abgängen. Sie beschreibt damit die Struktur des Wohnraums.
Drei Einschränkungen nennt das Statistische Bundesamt selbst, und sie gehören zu einer ehrlichen Interpretation dazu:
- Kein Leerstand. Die Kennzahlen berücksichtigen nicht, ob eine Wohnung bewohnt ist. Die Pro-Kopf-Fläche ist eine rechnerische Größe aus verfügbarer Fläche geteilt durch Einwohnerzahl.
- Keine Verteilung. Über Haushaltsgrößen, Einkommensgruppen oder Stadt-Land-Unterschiede sagt die Fortschreibung nichts. Wer diese Fragen beantworten will, braucht den Mikrozensus, dessen Zusatzerhebung zur Wohnsituation nur alle vier Jahre erhoben wird.
- Andere Methodik als der Mikrozensus. Dessen durchschnittliche Wohnfläche je Person wird haushaltsbezogen gewichtet und liegt deshalb systematisch höher — für 2022 bei 55,7 Quadratmetern. Dieser Wert ist nicht mit den 49,5 Quadratmetern aus der Fortschreibung vergleichbar. Beide nebeneinander als Zeitreihe zu lesen wäre ein Fehler; in der Bundesland-Tabelle oben sind sie deshalb spaltenweise getrennt ausgewiesen.
Für Auswertungen auf Gemeindeebene ist die Fortschreibung ebenfalls nicht die richtige Quelle — dort liefert der Zensus 2022 die kleinräumigen Daten.
Häufige Fragen
Wie viele Wohnungen gibt es in Deutschland?
Zum Jahresende 2025 rund 44,0 Millionen — 196.000 oder 0,4 % mehr als ein Jahr zuvor und 2,5 Millionen oder 6,0 % mehr als Ende 2015. Die Zahl stammt aus der jährlichen Wohnungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022.
Wie groß ist die durchschnittliche Wohnung in Deutschland?
94,0 m² zum Jahresende 2025, also 2,4 m² mehr als zehn Jahre zuvor. Die Wohnfläche pro Kopf liegt bei 49,5 m² und ist mit +7,1 % deutlich stärker gestiegen als die Fläche je Wohnung mit +2,6 %.
Warum steigt die Wohnfläche pro Kopf, obwohl Wohnraum knapp ist?
Weil die Haushalte kleiner werden — Ende 2025 kamen auf eine Wohnung nur noch gut 1,9 Personen statt knapp 2,0 im Jahr 2015. Dazu kommt der Remanenzeffekt: Nach dem Auszug der Kinder bleiben viele Haushalte in der zu groß gewordenen Wohnung, weil ein Umzug an Kosten, Bindung oder fehlenden kleinen Wohnungen scheitert.
Sagt die Wohnfläche pro Kopf etwas über den Leerstand aus?
Nein. Die Kennzahl teilt die gesamte theoretisch verfügbare Wohnfläche durch die Einwohnerzahl und berücksichtigt weder Leerstand noch die Verteilung auf Haushalte oder Regionen. Für Leerstandsquoten ist der Zensus 2022 die passende Quelle, für die Wohnsituation privater Haushalte der Mikrozensus.
Wie viele Wohnungen fehlen in Deutschland?
Rund 1,4 Millionen zum Jahresende 2024 — berechnet vom Pestel-Institut für das Verbändebündnis „Soziales Wohnen" und im Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes zitiert. Selbst bei Aktivierung des langfristigen Leerstands bliebe ein Defizit von rund 790.000 Wohnungen, vor allem in den westdeutschen Ballungsräumen.
In welchem Bundesland ist die Wohnfläche je Einwohner am größten?
Im Saarland mit 56,3 m² je Einwohner, dicht gefolgt von Rheinland-Pfalz (56,2) und Niedersachsen (54,6). Am unteren Ende stehen Berlin (40,5), Hamburg (41,1) und Bremen (42,8) — eine Spanne von 15,8 m² oder rund 39 %. Stand: 31.12.2025, Wohnungsfortschreibung Tabelle 31231-0010.
Warum ist die Wohnfläche pro Kopf in den Stadtstaaten so viel geringer?
Weil dort fast ausschließlich im Geschosswohnungsbau gewohnt wird. Die Durchschnittswohnung misst in Berlin 72,5 m² und in Hamburg 76,0 m², im Saarland dagegen 106,6 m². Ein- und Zweifamilienhäuser binden je Kopf deutlich mehr Fläche als Wohnungen im Mehrfamilienhaus — die Wohnform erklärt den Unterschied besser als das Einkommen.
Quellen
- Primärquelle 44,0 Millionen Wohnungen in Deutschland zum Jahresende 2025 — Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 250 vom 16.07.2026
- Primärquelle Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestandes (Statistik 31231, Tabelle 31231-0010 für die Bundesländer) — GENESIS-Online, Statistisches Bundesamt, Stand 31.12.2025
- Sekundärquelle Mietenreport 2026 — Die Wohnungskrise wird zur Sozialstaatskrise (PDF) — Deutscher Mieterbund e.V., September 2026; die Zahl der fehlenden Wohnungen stammt dort vom Pestel-Institut für das Verbändebündnis „Soziales Wohnen"
- Primärquelle Wohnen 2022 — Bruttokaltmiete, Mietbelastung und Eigentumsquote nach Bundesländern — Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus-Zusatzerhebung, Endergebnisse
- Primärquelle § 551 BGB – Begrenzung und Anlage von Mietsicherheiten — Bundesministerium der Justiz